Nachfrage übertrifft das Angebot
Inder fiebern Mega-Börsengang entgegen

Indiens Kapitalmärkte stehen vor einem Meilenstein: Der größte Börsengang in der Geschichte des Landes soll dem Immobilienkonzern DLF bis zu 2,4 Mrd. Dollar in die Kasse spülen. Zugleich wird er Gründer und Chairman Kushal Pal Singh in die Liga der reichsten Menschen der Welt katapultieren.

DELHI. Zusammen mit seiner Familie hält Singh 97 Prozent an DLF. Zehn Prozent der Anteile gehen nun an die Börse, in einem Preisband von 500 bis 550 Rupien pro Aktie. Die Zeichnungsfrist beginnt nächsten Montag. Bei einem von Analysten erwarteten Ausgabepreis am oberen Ende der Spanne winkt DLF eine Marktkapitalisierung von 23 Mrd. Dollar - mehr als SBI, Indiens größte Bank, und das Doppelte der zweitgrößten Immobilienfirma des Landes, Unitech.

„Wer nicht zeichnet, verpasst eine goldene Gelegenheit,“ prahlt Singh, und Agenturberichten zufolge übertrifft die Nachfrage schon im Vorfeld das Angebot. Die Aufregung um den Börsengang verleiht auch anderen Immobilienwerten merklich Auftrieb. Diese zeigten sich in den vergangenen Monaten in einem sonst robusten Börsenumfeld sehr volatil.

Die Immobilienbranche des Landes profitiert von über neuen Prozent Wirtschaftswachstum und einer stark anschwellenden Mittelschicht. Seit einer Lockerung von Investitionsbeschränkungen 2005 strömt zudem massiv ausländisches Kapital in den Sektor. Doch Analysten treibt Sorge vor einer Immobilienblase um. Skeptiker fürchten empfindliche Einbrüche, nachdem sich Wohnungspreise in guten Lagen innerhalb von zwei Jahren verdoppelt haben. Merklich anziehende Zinsen verteuern Käufe zusätzlich. Zudem dämmt eine konservative Zentralbank den Kreditfluss in den Sektor ein.

„Langfristig haben Investoren Vertrauen in die Indien-Story“, meint Chris Reilly von Henderson Global Investors, aber der schnelle Preisanstieg könne sich als überzogen erweisen. Singh wischt das vom Tisch: „Gerede von einer Blase ist pure Phantasie. Unsere Branche steht vor unfassbarem Wachstum, Indien braucht hunderte Firmen wie DLF um die Nachfrage zu befriedigen“, diktiert der Baumagnat Journalisten in die Notizbücher. Studien zufolge fehlen dem Land 20 Millionen Wohnungen, und seine stark expandierende Firmen suchen Büroraum. McKinsey erwartet, dass alleine die IT-Branche bis 2010 Platz für eine Million neue Angestellte braucht.

Singh kann sich ins Fäustchen lachen, denn der 75-jährige sah den Trend früh kommen. Der Ex-Armee-Offizier hat Bauern im Umkreis Delhis seit den 80er Jahren systematisch Boden zu einem Bruchteil heutiger Preise abgekauft. Nun belaufen sich DLFs Landreserven auf mehr als 4 000 Hektar - 40 Quadratkilometer. Das reicht für die geplante Bauaktivität der nächsten zehn Jahre.

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