Nachgefragt: Christian Meissner
„Boomzeiten sind noch nicht in Sicht“

Christian Meissner ist Co-Chef im Investment-Banking von Lehrmann Brothers Deutschand. Die Fragen stellte ihm Robert Landgraf.

Die jüngsten Kurssprünge bei Aktienneuemissionen erinnern an die Zeiten des Neuen Marktes. Ist es wieder so weit?

Ich glaube nicht. Boomzeiten wie zur Aktienhausse rund um die Jahrtausendwende sehen wir noch nicht. Zwar beobachten wir hohe Überzeichnungen und einen Kurssprung bei der Erstnotiz - etwa im Fall des Baufinanzierers Interhyp. Die Bewertungen werden allerdings nicht mehr durch danach rasant steigende Aktiennotierungen auf den Kopf gestellt, wie das zu den Hochzeiten des Neuen Marktes der Fall war. Das liegt an den schlechten Erfahrungen aber auch an der schwächeren Konkurrenzsituation unter den heimischen Fonds. Es gibt deutlich weniger Wettbewerber, die sich gegenseitig hochschaukeln.

Mischen Privatanleger bei Börsengängen wieder kräftig mit?

Ja, sie kommen zurück. Tatsache ist aber auch, dass sie nicht in der Breite in Neuemissionen investieren. Die Interessenten für neue Aktien kommen aus dem Kreis der wohlhabenden Privatanleger. Von einer Milchmädchenhausse mit vielen kleinen, unerfahrenen Anlegern kann zum Glück keine Rede sein, zumal bislang die großen Anzeigenkampagnen fehlen.

Wie geht es weiter?

Zunächst werden sich die Börsengänge weiter auf wachstumsstarke, technologielastige Unternehmen beschränken, die vom Erfolg von Unternehmen wie Interhyp angelockt werden. Da den Gesellschaften weniger Wagniskapital zur Verfügung steht, ist die Börse ein guter Weg, um die Wachstumsfinanzierung sicherzustellen. In diesem Jahr rechne ich noch mit sechs bis zwölf weiteren Börsengängen.

... und wann kommen die großen Emissionen?

Vor allem im nächsten Jahr gehe ich von so manchem Börsengang mit einem Volumen von über einer Mrd. Euro aus. Finanzinvestoren werden die Börse verstärkt nutzen, um sich von Engagements zu trennen. Ein Beispiel ist der erwartete Verkauf von Kabel Deutschland über die Börse. Im Vorfeld der Bundestagswahl hatten sich viele der Kandidaten bislang zurückgehalten. Angesichts der guten Aussichten erwarte ich Börsengänge in einem Gesamtvolumen von mindestens fünf Mrd. Euro. Es kann aber bei weiterhin guten Marktverhältnissen auch wesentlich mehr sein.

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