Nachgefragt
Der Fluch des Siegers

Das Handelsblatt im Gespräch mit John Coffee, Professor für Wirtschaftsrecht an der Columbia University in New York, über den Börsengang von Google.

Worin unterscheidet sich der Google-Börsengang von anderen Neuemissionen?

Coffee: Google hat sich für eine Auktion seiner Aktien entschieden. Traditionell werden die Anteile bei Börsengängen von den Investmentbanken in einem so genannten Bookbuilding-Verfahren verteilt.

Was ist der Unterschied?

Coffee: Bei einer Auktion versucht man Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen. Beim Bookbuilding versuchen dagegen die Banken einen Nachfrageüberhang und somit einen starken Kursschub zu erzeugen. So gab es bei Neuemissionen in den 90er Jahren Preissprünge von fast 700 Prozent am ersten Handelstag. Das war zwar prima für alle, die eine Aktie ergattert hatten. Das Unternehmen hat sich jedoch zu billig verkauft.

Gibt es denn bei der Auktion keine Nachteile?

Coffee: Anleger müssen bei der Auktion auf den so genannten „Fluch des Siegers“ achten. Wenn jemand also 80 Dollar bietet, alle anderen aber nur 50 Dollar, dann bekommt er zwar die Aktien, kann sie hinterher jedoch nur mit Verlust verkaufen. Bei einer Auktion gibt es wahrscheinlich keine Kurssprung am ersten Handelstag.

Warum sind institutionelle Investoren nicht sehr glücklich mit dem Google-Verfahren?

Coffee: Institutionelle Anleger bevorzugen das Bookbuilding-Verfahren, weil es ihnen satte Kursgewinne am ersten Handelstag garantiert. Die Banken schanzen ihren besten Kunden die heiß begehrten Aktien zu und bekommen im Gegenzug neue Aufträge von ihnen.

Was ist sonst nach anders bei Google?

Coffee: Das Unternehmen wird den Analysten keine Quartalsprognosen geben, wohl aber Quartalsergebnisse veröffentlichen. Viele Unternehmen haben mit ihren Prognosen Erwartungen erzeugt, die sie später nur mit Hilfe von Bilanzmanipulationen erfüllen konnten. Google will das vermeiden.

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