Nachgefragt: Markus Straub
"Risiken sind höher als Chancen"

Fünf Fragen zum Thema Neuemissionen an Markus Straub, Vorstand der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK).

Nach einer jüngst von der SdK vorgelegten Studie notieren nur die Aktien von 37 der 439 Unternehmen, die seit 1997 an die Börse gingen, im Plus. Sind Neuemissionen deswegen generell für Anleger unattraktiv?

Natürlich ist die Aussage dieser Zahlen katastrophal. Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass in diesen Zeitraum der kollektive Wahnsinn des Neuen Marktes fällt. Eines zeigt sich jedoch: Die Gewinnaussichten bei Neuemissionen stehen in keinem Verhältnis zum Risiko. Bestenfalls kurzfristig ließen sich in der Vergangenheit Zeichnungsgewinne erzielen.

Gilt dies auch für die Emissionen des Jahres 2004?

Für die Zukunft lässt sich daraus keine Aussage erzielen. Der Markt ist im Moment sehr kritisch, das betrachten wir sehr positiv. Die Anleger haben gelernt, dass die Euphorie vom damals mit riesigen Zeichnungsgewinnen zum Börsenstart nicht gut gehen konnte.

Es zeichnet sich im Moment ein Trend ab, dass bei Börsengängen ein Großteil der Aktien aus dem Besitz von Altaktionären kommt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Grundsätzlich ist ein solcher Schritt in hohem Maße legitim. Allerdings ist bei jedem Börsenkandidaten individuell zu prüfen, ob jemand die Früchte seiner langjährigen Arbeit ernten will oder ob nur der schnelle Euro gemacht werden soll. Dann handelt es sich um keine Risikoteilung, sondern um eine Risikoverlagerung auf den Anleger, noch dazu zu teuren Konditionen.

In diesem Zusammenhang ist auch das Thema Bindungsfrist für Altaktionäre zurzeit in der Diskussion. Was halten Sie für angemessen?

Auch hier gibt es kein Pauschalurteil. Zumal die Lockup-Fristen auch häufig ganz unverbindlich sind. Viel wichtiger für das Vertrauen der Anleger in Geschäftsmodell und Aktie wäre es, wenn das Management sagen würde: Wir wollen gar nicht verkaufen, weil es sich bei unserer Aktie um eine so attraktive Anlageform handelt.

Zuletzt häuften sich die Diskussionen um die angemessene Bewertung von Börsenkandidaten. Was sind hierfür Indizien?

Sobald es vergleichbare börsennotierte Unternehmen gibt, ist die Bewertungsfrage einfacher. Im Vergleich zu diesen wird von den Anlegern jedoch ein gehöriger Abschlag erwartet. Das Argument dabei ist: Börsenkandidaten müssen preislich attraktiver als börsennotierte Unternehmen sein, weil sie nicht etabliert sind und es unklar ist, wie sie von den Investoren aufgenommen werden. Gibt es keinen Zeichnungsabschlag, sollte der Anleger lieber die Aktien bereits notierter Unternehmen kaufen.

Die Fragen stellte Christian Schnell.

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