Nachholbedarf im Agrarbereich
Analysten: Preisboom bei Rohstoffen hält noch Jahre an

Die Rohstoffpreise werden nach Einschätzung der führenden Branchenanalysten noch mindestens zehn Jahre lang ansteigen. Einige Experten sprechen bereits von einem Superzyklus.

HB FRANKFURT. Der Grund sei die rasant wachsende Nachfrage, mit der das Angebot nicht Schritt halte, sagten Fachleute der in der Branche wichtigen Häuser dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Der Rohölpreis, der am Dienstag mit mehr als 63 Dollar je Barrel (159 Liter) bei der Nordseesorte Brent neue Höchststände erreichte, werde im laufenden Zyklus erst bei über 100 Dollar je Barrel sein Hoch erreichen, sagt Jeff Currie von Goldman Sachs. Dadurch würden auch die Preise anderer Energieträger wie Kohle oder Erdgas in die Höhe getrieben.

Fast alle Analysten haben den Aufschwung der Rohstoffpreise unterschätzt. Die Prognosen mussten immer wieder den gestiegenen Preisen angepasst werden. „Das Risiko liegt nach wie vor in steigenden Preisen“, sagt Jim Lennon von der Macquarie Bank, der vor Jahren als einer der ersten den Preisaufschwung prognostiziert hatte. Er hat jetzt seine Prognosen für Kupfer, Aluminium und Eisenerz angehoben. Begründung: die anhaltend starke Nachfrage Chinas und niedrige Bestände.

Großen Nachholbedarf bei den Preisen sehen Analysten noch bei Agrarrohstoffen. Am Maismarkt könnten die Bestände schon bald ein kritisches Niveau erreichen, sagt Shawn McCambridge von Prudential Financial. Impulse erhalten Rohstoffe wie Zucker und Mais durch eine neue Energiepolitik. So rückt die US-Regierung mit der Verabschiedung eines neuen Energiegesetzes Bioenergie stärker ins Rampenlicht. Bio-Treibstoffe wie Ethanol und Biodiesel (aus Raps hergestellt) sollen künftig dazu beitragen, den Energiebedarf zu decken.

Wenn die Rohstoffpreise steigen, ist das eine gute Nachricht für Rohstoff-Produzenten und -Investoren, nicht aber für die Weltwirtschaft. Vor allem die stark gestiegenen Energiepreise erweisen sich als Wachstumsbremse. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Entscheidend ist die starke Nachfrage bevölkerungsreicher Länder wie China und Indien. Die Erdgasnachfrage Chinas etwa wird sich nach amtlichen Schätzungen in den nächsten fünf Jahren verdoppeln.

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