Naher Osten
Finanzkrise verhindert Börsengänge in Nahost

Im ersten Quartal ist die Zahl der Börsengänge im Nahen Osten dramatisch eingebrochen: Kaum noch Firmen lassen sich notieren. Nach Ansicht von Experten bleibt der Ausblick für 2009 düster. Die Verluste im Nahen Osten waren 2008 deutlich höher als an internationalen Leitbörsen.

DUBAI. Im Windschatten der globalen Finanzkrise ist die Zahl der Börsengänge auch im Nahen Osten dramatisch eingebrochen. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Ernst & Young wurden durch Neuemissionen im ersten Quartal 2009 nur 84 Mio. Dollar eingefahren. Das sind 2,1 Prozent des Volumens vom Vorjahresquartal. Zwischen Januar und März gab es nur einen IPO in Saudi-Arabien und einen in Syrien.

An den Aktienmärkten gab es weltweit im ersten Quartal 2009 nur 50 Börsengänge, davon 34 in den Schwellenländern. Ein Jahr zuvor waren es noch mehr als fünf Mal so viele, geht aus einer Studie von Ernst & Young hervor.

Nach Ansicht von Experten bleibt der Ausblick für 2009 düster. "Die Leute warten ab: Die IPOs werden erst Ende 2009 oder Anfang 2010 wieder anziehen", sagt Jeff Singer, Chef der Börse Nasdaq Dubai. Eine Initialzündung könne allerdings von Saudi-Arabien ausgehen, wo etliche Versicherungsfirmen mit einem Börsengang liebäugeln. Wegen der hohen Volatilität halten sich jedoch viele Firmen zurück. "Bei der gegenwärtigen Kursentwicklung lassen sich nur diejenigen listen, die verzweifelt nach Kapital suchen", sagt Robert McKinnon, Geschäftsführer der Investmentbank Al Mal Capital in Dubai.

Etwas besser sieht die Lage möglicherweise in Abu Dhabi aus, dem reichsten der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach Auskunft des Chefs der dortigen Börse, Tom Healy, stehen Einzelhandels-Betriebe und Firmen aus dem Freizeit-Sektor bereits in den Startlöchern für einen IPO. Banker sehen darin jedoch noch keinen Trend. Außerdem sind die Kurse vieler Familienunternehmen, die an den arabischen Handelsplätzen zahlreich vertreten sind, unter den Preis der Erstemission gefallen.

Die Verluste im Nahen Osten fielen 2008 deutlich höher aus als an den Leitbörsen Amerikas oder Europas. So wurde an den arabischen Finanzplätzen im vergangenen Jahr 55 Prozent des Kapitals verbrannt. Das immobiliengeschädigte Dubai hatte dabei mit minus 72 Prozent den größten Absturz zu verkraften. Die Marktkapitalisierung der an der größten Börse in der Region in Riad gelisteten Firmen schrumpfte von knapp 500 Mrd. Dollar auf 250 Mrd. Dollar.

In diesem Jahr sanken die Kurse in Nahost bisher um drei Prozent, wobei Saudi-Arabien und Abu Dhabi mit einen Plus von 14 bzw. sechs Prozent noch am besten abschnitten. Nach Einschätzung von Bankern hängt eine Erholung der regionalen Börsen sehr stark von der internationalen Kurs-Entwicklung sowie vom Ölpreis ab. "Sollte sich der Ölpreis bei 50 Dollar pro Barrel einpendeln oder sogar leicht steigen, könnten sich die Handelsplätze auf der arabischen Halbinsel auch aus eigener Kraft erholen", sagt Udo Schäberle von der BHF-Bank in Abu Dhabi.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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