Neue Analysemethoden
Sentimentanalyse als Schlüssel zum Erfolg

Mittlerweile gilt es als anerkannt, dass die Märkte von Hoffnung und Angst getrieben werden. Doch wie ist die Stimmung, wie wird sie gemessen und wie wiederum interpretiert? Diese und ähnliche Fragen interessieren immer mehr Investoren. Die Sentimentanalyse sowie die Analysemethode der Behavioral Finance erfreuen sich auch hierzulande immer mehr Beliebtheit und finden mehr und mehr Anhänger.
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DÜSSELDORF. Aber was genau ist Sentimentanalyse? Innerhalb der Sentimentanalyse wird versucht, die Emotionen beziehungsweise die vorherrschende Stimmung hinter einer Kursbewegung zu messen und zu interpretieren. Sie alle kennen sicherlich die alte Börsenweisheit "buy on bad news" and "sell on good news". Soll heißen: Ist die Stimmung gut, sollte man Aktien verkaufen, ist hingegen die Stimmung schlecht, sollte man sie eher kaufen. Eben ganz im Sinne der Gegensätzlichen Meinung - der "Contrarian-Theory". Doch so einfach ist es leider nicht immer. Mittels Sentimentanalyse sucht man nach zusätzlichen Hilfestellungen als nur die sture Befolgung dieser alten Börsenweisheit.

Die Sentimentanalyse alleine liefert selten konkrete Handelssignale. Sentimentindikatoren weisen vielmehr auf eine Über- oder Untertreibung der Märkte, sowie der Stimmung einzelner Marktteilnehmer, hin. Gerade die Phasen, in denen die Märkte zur Übertreibung in die eine oder andere Richtung neigen – also in einen irrationalen Prozess übergegangen sind -, markieren nämlich gewöhnlich Trendwenden. Dass die Sentimentindikatoren tendenziell selten genaue Signale zum Ein- oder Ausstieg liefern liegt daran, dass die Märkte oft über einen längeren Zeitraum zur Übertreibung neigen und nicht nur für einen oder wenige Tage. Oftmals sind es sogar Wochen oder Monate. Hier soll die Divergenzanalyse eine weitere Hilfestellung liefern.

Basis der Sentimentanalyse bildet die Überlegung, dass die Masse - so der Grundgedanke der psychologischen Marktbeobachtung - an der Börse stets falsch investiert ist und demnach Geld verliert. Daher gilt es, gegen die vorherrschende Meinung zu handeln. Die Anhänger der Sentimentanalyse versuchen also mit ihrer Hilfe überhitzte Phasen herauszufiltern und entsprechend zu handeln. Dennoch, einfach nach dem Motto zu handeln, Stimmung ist gut - Kurse fallen oder Stimmung ist schlecht - Kurse steigen, wäre etwas zu einfach. Vielmehr soll die Sentimentanalyse auch helfen, weitere Fragen in Bezug auf die Kapitalmärkte oder deren Teilnehmer zu beantworten.

Da kann es beispielsweise Hilfreich sein zu wissen, was die Finanzmarktteilnehmer gerade in ihrem Tun und Handeln antreibt - also von welchen Themen sie derzeit geleitet werden. Auch die Frage, ob die Investoren zu einem Zeitpunkt im Markt investiert sind und welchen Zeithorizont sie bevorzugen. Alle diese Fragen und noch viel mehr sollen mit Hilfe der Sentimentanalyse beantwortet werden.

Die Erkenntnisse klassischer Sentimentstudien reichen oftmals nicht aus. Durch die subjektive Wahrnehmung des Geschehens an den Finanzmärkten beinhaltet das klassische Sentiment oftmals systematische Verzerrungen. Diese entstehen durch die, aus der Behavioral Finance bekannten, Anomalien eines Investors. Mitunter können Schieflagen und/oder selektive Wahrnehmung dafür verantwortlich sein. Es gilt, diese Verzerrungen aufzuspüren und entsprechend zu bewerten.

Mit neuartigen Analysemethoden - wie beispielsweise das Dax-Sentiment auf Handelsblatt.com in Zusammenarbeit mit der Postbank AG - sollen klassische Sentimentstudien ergänzt werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sentimentstudien wird bewusst auf die Anomalien der Investoren und den damit einhergehenden verhaltensorientierten Prozessen der Marktteilnehmer wert gelegt.

Thomas Theuerzeit beschäftigt sich seit mehr als zwölf Jahren intensiv mit der Technischen Analyse. Er ist verantwortlich für das Kompetenzcenter Technische Analyse und Behavioral Finance im Ressort Financial Markets der Deutschen Postbank AG und gilt als einer der führenden Experten auf dem Gebiet.

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