Neue O2-Aktie
Größter Börsengang seit fünf Jahren

Die Aktie der Telefonica-Tochter O2 feiert ein erfolgreiches Börsendebüt. Die Aktie schnellte am ersten Börsentag knapp vier Prozent in die Höhe. Der Telefonkonzern nimmt 1,45 Milliarden Euro ein.
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FrankfurtDer größte Börsengang in Deutschland seit mehr als fünf Jahren ist perfekt. Der Mobilfunkbetreiber O2 feierte sein Debüt an der Frankfurter Börse am Dienstag mit Kursgewinnen. Wer die Papiere gezeichnet hatte, konnte zur Premiere 4,2 Prozent Kursgewinn mitnehmen. Die zu 5,60 Euro ausgegebenen Aktien stiegen bis auf 5,84 Euro. "Der Appetit auf unsere Aktien ist überwältigend, und wir sind hocherfreut", sagte Rene Schuster, der Chef der Telefonica Deutschland Holding, die vor allem durch die Marke O2 bekannt ist. Kurz nach 9.00 Uhr hatte Schuster den Handel an der Frankfurter Börse mit der Glocke eingeläutet.

Mit einem Volumen von 1,45 Milliarden Euro ist O2 der größte Börsengang in Deutschland seit Juli 2007, als der Motorenhersteller Tognum zwei Milliarden Euro erlöste, und der drittgrößte in Deutschland seit zehn Jahren. Die spanische Mutter Telefonica hält nach der Erstnotiz noch 77 Prozent an der deutschen Tochter, 23 Prozent wurden an Investoren verkauft. Das dürfte Bankern zufolge aber reichen, um O2 im Dezember einen Platz im Nebenwerteindex MDax zu sichern. Telefonica Deutschland kommt zum Ausgabepreis auf einen Börsenwert von 6,3 Milliarden Euro.

Anleger vor allem aus Großbritannien und den USA hatten ein Mehrfaches der 259 Millionen Aktien geordert. Dort kam gut an, dass O2 nur in Deutschland vertreten ist - das Land gilt in der Euro-Schuldenkrise als sicherer Hafen. An deutsche Investoren gingen laut Bankern nur knapp zehn Prozent der Anteilsscheine. "Dass die Preisfestsetzung richtig war, zeigt auch die gute Nachfrage an der Börse nach der Aufnahme des Handels", sagte Joachim von der Goltz von der UBS, die den Börsengang zusammen mit der US-Bank J.P. Morgan organisiert hatte. Viele Anleger, deren Orders nur zu einem kleinen Teil bedient wurden, kauften nach. Der Ausgabepreis der Aktien lag in der unteren Hälfte der Preisspanne, die mit 5,25 bis 6,50 Euro breit ausgefallen war.

Der erfolgreiche Start könne auch anderen Börsenkandidaten Mut machen, sagte J.P.-Morgan-Banker Stefan Weiner. "Das war zwar jetzt der Eisbrecher, aber in diesem Jahr werden O2 nicht mehr viele Unternehmen an die Börse folgen. Im kommenden Jahr sehe ich für ein halbes Dutzend deutscher Firmen gute Chancen für Börsengänge in einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro." Telefonica sei eines von wenigen Unternehmen gewesen, die zur rechten Zeit vorbereitet gewesen seien, sagte von der Goltz. Zuvor hatte im Herbst nur der Versicherer Talanx einen dreistelligen Millionenbetrag mit einem Börsengang eingesammelt.

Der spanische Telefonriese will mit dem Erlös seine mehr als 57 Milliarden Euro schwere Schuldenlast verringern. Das Geld fließt deshalb komplett nach Spanien, O2 muss seine geplante Aufrüstung auf den neuen Mobilfunkstandard LTE aus eigener Kraft finanzieren. Schuster, einen Amerikaner mit deutschen Eltern, schrecken die Kosten des Ausbaus nicht: Die könne O2 auch selbst erwirtschaften. Zudem habe sich Telefonica in der Vergangenheit großzügig gezeigt und mehr als 6,5 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Das unterstrich Telefonica-Chef Cesar Alierta, der extra für die Börsenpremiere aus Madrid angereist kam: "Wir sind vollkommen vom deutschen Markt überzeugt."

O2 ist mit 18,4 Millionen Kunden der kleinste Mobilfunkbetreiber in Deutschland nach den Marktführern Telekom und Vodafone und der KPN -Tochter E-Plus. Die landesweiten Netze verschlingen viel Geld. Schuster kann sich deshalb Netzkooperationen mit Rivalen wie E-Plus vorstellen. "Die Zukunft ist, dass wir mehr miteinander arbeiten. Die Investitionen sind in unserer Branche enorm", sagte der 50-Jährige.

Wegen des Börsengangs sei keine Zeit für Verhandlungen gewesen, aber 2013 könnte es losgehen. O2 sei für Partner sehr attraktiv. "Wir haben viel zu bieten, etwa ein tolles Netz und eine gute Frequenzausstattung." O2 und E-Plus hatten im Laufe der Jahre wiederholt Chancen einer Fusion ausgelotet, zuletzt im Frühsommer. Allerdings waren die Gespräche an unterschiedlichen Vorstellungen über die Bewertung der Firmen gescheitert. .

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • kommt extra hergeflogen...wer bezahlts?Die ganzen spesen und so weiter?dafür aber vollmundig Dividende versprochen,die logisch ausgefallen ist und einen Kurssturz nach sich zog.der Typ muss weg mit seinen 70 Jahren.Alierta ist untragbar und mit ihm seine ganze inkompetente Führungsriege,vor allem der Lügenbold von CFO

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