Neuemission
Kühler Empfang für Börsenneuling Tognum

Anleger haben dem Dieselmotorenhersteller Tognum beim größten Börsendebüt seit knapp sieben Jahren einen kühlen Empfang bereitet. Während Zeichnungsgewinne kaum drin waren, ließ sich der Finanzinvestor und Tognum-Eigner EQT hingegen den Ausstieg über die Börse vergolden.

HB FRANKFURT. Die zum Ausgabepreis von 24 Euro am Montag in den Handel gestartete Aktie der Dachgesellschaft um die frühere DaimlerChrysler-Tochter MTU Friedrichshafen fiel zeitweise bis auf 23,80 Euro. Am Ende des ersten Handelstags stand ein Kurs von 23,95 Euro auf der Anzeigetafel. Tognum-Chef Volker Heuer erklärte: „Für uns wird der Kurs nicht in der ersten Minute festgelegt, wir sehen das langfristig.“ Angesichts eines Streubesitzes von 65 Prozent rechnen Experten mit einer raschen Aufnahme von Tognum in den Nebenwerteindex MDax.

Der Hersteller von Dieselmotoren für Schiffe, Panzer und Schienenfahrzeuge sammelte insgesamt 2,07 Mrd. Euro bei Investoren ein. Tognum ist damit die größte Neuemission in Deutschland seit der Post im November 2000, die auf ein Volumen von 5,8 Mrd. Euro kam. Das Emissionsvolumen von Tognum könnte im Herbst übertroffen werden, sollte Siemens die Börsenpläne für seine Autozuliefer-Tochter VDO umsetzen.

Der Löwenanteil des Emissionserlöses - 1,8 Mrd. Euro - gehen an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Die Investmentgesellschaft aus dem Umfeld der Familie Wallenberg hatte MTU Friedrichshafen erst Anfang 2006 für 1,5 Mrd. Euro von DaimlerChrysler gekauft. Da EQT kräftig abkassierte, gab es für Anleger kaum Spielraum für Zeichnungsgewinne - was auch beim Ausstieg der Finanzinvestoren bei den Börsenneulingen Versatel und Gerresheimer zu beobachten gewesen war.

„Es ist immer mehr zu sehen, dass Beteiligungsgesellschaften keinen Cent mehr beim Ausgabepreis liegen lassen und Kasse machen“, sagte ein Fondsmanager. Im vergangenen Jahr hatten noch viele von Finanzinvestoren an die Börse geführte Unternehmen Anlegern am ersten Handelstag Zeichnungsgewinne beschert. Mit den Tognum aus der Aktienemission zufließenden rund 270 Mill. Euro will Heuer die Schuldenlast reduzieren. Sie war auf über 700 Mill. Euro angestiegen, nachdem EQT einen Teil des Kaufpreises dem gekauften Unternehmen aufgebürdet hatte.

Tognum sieht sich Heuer zufolge zudem nach Zukäufen im Bereich dezentrale Energie um. Für 2007 stellte er einen Umsatzanstieg im hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich in Aussicht. 2006 hatte der 7500 Mitarbeiter zählende Motorenhersteller vom Bodensee 2,5 Mrd. Euro umgesetzt.

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