Neuemissionen
AOL legt schwaches Comeback hin

Nach acht Jahren unter dem Dach des US-Medienriesen Time Warner ist der Internet-Pionier AOL zurück auf dem Börsenparkett. Wunderdinge sollten die Anleger allerdings nicht erwarten. Die wilden Dotcom-Zeiten sind längst vorbei - das zeigt der verhaltene Auftakt an der Börse.
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NEW YORK. Skeptisch haben Investoren am Donnerstag auf den Börsengang des Internetkonzerns AOL reagiert. Der erste Kurs für die Aktie des Internet-Pioniers lag mit 23,27 US-Dollar gleich 1,69 Prozent unter dem Ausgabekurs von 23,67 Dollar. Das Papier berappelte sich zwar etwas - der Schlusskurs von 23,52 Dollar bedeutete indes immer noch einen Abschlag von 0,63 Prozent gegenüber dem Ausgabekurs.

Nach der Trennung vom US-Medienkonzern Time Warner wird AOL als abgespecktes Unternehmen gegen Internetgiganten wie Google, Yahoo und Microsoft im 29 Mrd. Dollar schweren Markt für Onlinewerbung konkurrieren. Der seit März amtierende AOL-Chef Tim Armstrong setzt dabei vor allem auf eigene Inhalte, die von 3 500 festen und freien Journalisten erstellt werden. Laut Armstrong produziert das Unternehmen bereits rund 80 Prozent seiner Inhalte selbst.

"Wir befinden uns im Umbruch, aber wir haben Erfahrung im Werbegeschäft und gute Technologien", versicherte der AOl-Chef gestern in New York. Den schwachen Börsenstart spielte er herunter. "Die Aktie kann steigen oder fallen. Aber wir werden immer stärker werden." Das Time-Warner-Papier lag in den ersten Handelsstunden dagegen rund fünf Prozent im Plus.

AOL wandelt sich gerade von einem abonenntenbasierten Internetanbieter in ein digitales Medienunternehmen, das sein Geld mit Online-Werbung verdient. Zu dem ehemals weltgrößten Onlinedienst gehören heute mehr als 80 Nischenseiten wie Moviefone, Fanhouse und Mapquest.

1992 wurde AOL zum ersten Mal an der New Yorker Börse gelistet. Acht Jahre später fusioniert der Internetkonzern mit Time Warner. Doch der Zusammenschluss wurde zum Desaster. Vor der Fusion lag AOLs Börsenwert bei mehr als 150 Mrd. Dollar. Heute sind es nur noch 2,5 Mrd. Dollar.

Für die AOL-Aktie spricht vor allem die Tatsache, dass das Unternehmen keine langfristigen Schulden hat und ein Drittel seiner Mitarbeiter entlassen will. Das soll die Profitabilität in Zukunft erheblich verbessern.

Morningstar-Analyst Larry Witt rechnet wie viele an der Wall Street mit schwierigen Zeiten für das Internetunternehmen. "Wenn man die beschädigte Marke betrachtet, dann bezweifeln wir, dass sich AOL neu erfinden kann", schreibt er in einer aktuellen Studie mit dem IPO-Strategen Bill Buhr. Der Umsatz aus dem einst so lukrativen Geschäft mit Internetkunden werde weiter einbrechen. Die Werbeeinnahmen könnten sich nach einem schlechten Jahr 2009 höchstens stabilisieren. "Insgesamt betrachtet rechnen wir mit durchschnittlichen Umsatzeinbrüchen von elf Prozent bis 2013", so Witt.

Die IPO-Euphorie nimmt ab

Der Börsengang kommt laut Buhr noch zur rechten Zeit. Die Märkte seien längst nicht mehr so volatil wie noch vor einigen Monaten. "Allerdings schwächt die IPO-Euphorie gerade ein bisschen ab", sagt Buhr. In den vergangenen Wochen habe es mehrere kleinere Börsengänge gegeben, nie nicht genügend Nachfrage bei den Investoren ausgelöst hätten. "Wir haben jetzt zwar eine höhere Anzahl an Börsengängen, aber auch größere Erfolgsschwankungen."

In den USA ist die Anzahl der Börsengänge in der zweiten Jahreshälfte deutlich gestiegen und spiegelt damit einen globalen Trend wider, wie eine aktuelle Studie von Ernst & Young zeigt. Dieser Trend werde Buhr zufolge auch in den ersten Monaten 2010 anhalten: "Viele Unternehmen sind unsicher, wie das Jahr 2010 verlaufen wird und wollen deshalb möglichst schnell ihren Börsengang abschließen."

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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