Neuemissionen
China sendet IPO-Signale

Mit dem Neustart von Börsengängen nach mehrmonatiger Pause setzt China inmitten der globalen Wirtschaftskrise ein optimistisches Zeichen.

HB SCHANGHAI. Die am Freitag verkündete überraschende Wiederzulassung von Neuemissionen zeigt, dass die Regierung in Peking fest mit einer Fortsetzung der Aktienmarktrally in diesem Jahr rechnet. Experten zufolge könnten die IPOs den chinesischen Markt in diesem Jahr mit Aktien im Wert von umgerechnet mindestens elf Mrd. Euro überfluten. Doch trotz dieser Menge erwarten sie nur kurzzeitig Beeinträchtigungen. Denn die Börsenaufsicht dürfte die Zahl der Neuemissionen kontrollieren, um einen massiven Kurseinbruch oder eine Überhitzung des Markts zu verhindern.

Mehr als 30 Unternehmen haben bereits die Zustimmung der China Securities Regulatory Commission (CSRC) für ihre Börsen-Pläne erhalten. Dazu zählen unter anderen der Broker Everbright Securities und das größte Wohnungsbauunternehmen des Landes, China State Construction Engineering Corp. Diese Firmen warten bereits bis zu ein Jahr auf einen Börsengang, nachdem die Regierung die Neuemissionen nach einem Börseneinbruch von 65 Prozent im vergangenen September im Zuge der weltweiten Finanzkrise sang- und klanglos untersagt hatte.

Analysten gehen davon aus, dass allein die Konzerne in der Warteschlange umgerechnet rund elf Mrd. Euro durch ihre Börsengänge einnehmen könnten. "Am Ende des Jahres könnte diese Summe sogar bei weitem übertroffen werden", sagte Zheng Weigang von Shanghai Securities.

Everbright Securties und China State Construction, die einen Börsengang mit einem Volumen von jeweils gut einer Milliarde Euro anstreben, dürften den Experten zufolge von der kommunistischen Regierung bevorzugt werden. Sie unterstützen nämlich das staatliche Ziel, den Finanzsektor und die Infrastruktur des Landes auszubauen. Im Gegensatz dazu könnten Firmen, die bereits außerhalb Chinas notiert sind und sich für einen zweiten Börsengang in Shanghai interessieren, wegen eines mangelnden Regelwerks erst im nächsten Jahr grünes Licht bekommen. China Mobile, einer der weltweit größten Mobilfunkanbieter, und die britische Großbank HSBC hatten in der Vergangenheit ihr Interesse an dem Markt in Shanghai interessiert. Beide Konzerne sind bereits an der Börse in Hongkong gelistet.

Experten gehen zudem davon, dass die Behörde bei den geplanten IPOs darauf achten wird, den Aufwärtstrend an der Börse in diesem Jahr nicht zu gefährden. Der Leitindex Shanghai Composite Index hat seit Jahresbeginn über 40 Prozent zugelegt, womit er zu den Marktbarometern mit der besten Entwicklung weltweit zählt. "Es sieht so das, dass die CSRC die Geschwindigkeit kontrollieren wird, möglicherweise zunächst ein bis zwei IPOs pro Woche, wenn der Aktienmarkt nicht zu stark schwankt", sagte Cao Xuefeng von Western Securities. Die Aufsichtsbehörde will bereits im kommenden Monat den Startschuss für die neue Börsengang-Welle geben. Parallel dazu sollen ab Juni auch neue IPO-Regeln eingeführt werden.

"Die IPO-Nachrichten könnten den Aufwärtstrend an der Börse zwar kurzfristig abschwächen. Langfristig dürften sich die Neuemissionen jedoch positiv auf den Markt auswirken", sagte Cao. "So lange wie die chinesische Konjunktur und Unternehmensergebnisse die Aktienbewertungen unterstützen, könnte der Index neue Rekordstände nach einer Periode der Konsolidierung testen".

Fondsmanager und Aktienanalysten rechnen nach einer Umfrage damit, dass der chinesische Leitindex in den kommenden Monaten zwischen 2410 Punkten, seinem durchschnittlichen Wert in den vergangenen 60 Tagen, und der psychologisch wichtigen Marke von 2700 Zählen pendeln wird. Am Dienstag schloss der Index bei rund 2588 Stellen.

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