Neuemissionen
Finanzinvestoren fluten die Börse

Nach langer Flaute zeichnen sich in Deutschland wieder große Börsengänge ab. Im kommenden Jahr wollen Finanzinvestoren zahlreiche Unternehmen, darunter klangvolle Namen wie der Armaturenhersteller Grohe, der Chemikalienhändler Brenntag und der Reise-Reservierungsspezialist Amadeus, an die Börse bringen.

FRANKFURT. Am Aktienmarkt erwärmt sich das kalte Klima. Banker und Berater erwarten eine Welle von Börsengängen von Finanzinvestoren. "Wir erleben bei unseren Gesprächen, dass derzeit sehr viele Private-Equity-Häuser Portfoliounternehmen auf den Börsengang vorbereiten", sagt Stefan Hepp, der den Berater SCM Strategic Capital Management leitet. Das soll im nächsten Jahr zu bis zu zehn deutschen Börsengängen führen, die aus den Unternehmensportfolien der Finanzinvestoren gespeist werden, wie Ekkehard Frantzke, Partner beim Berater AT Kearney erwartet. "Die Größenordnung liegt in der Regel bei einer halben bis zu einer Mrd. Euro", sagt er.

Damit käme es zur ersten Aktienemission seit dem milliardenschweren Börsengang des Motorenherstellers Tognum im Sommer 2007. Der Finanzinvestor EQT wählte damals diesen Weg für seine Beteiligung. Insgesamt werden nach der Schätzung von Lars Stiewe, Direktor Aktienemissionen bei BNP Paribas, 30 bis 35 Unternehmen in Deutschland im nächsten Jahr börsenreif.

Der Weg über die Börse ist attraktiv, weil sich "die Aktienmärkte aktuell in besserer Verfassung befinden als der Markt für Fusionen und Übernahmen", urteilt Dirk Notheis, Deutschlandchef von Morgan Stanley. Viele Private-Equity-Häuser bereiteten daher Börsengänge ihrer Portfoliogesellschaften vor, sagt er.

Angesichts der hohen Liquidität an der Börse seien dort mitunter bessere Preise zu erzielen als bei einem klassischen Verkauf an einen strategischen Käufer oder an andere Finanzinvestoren, sagt Notheis. Zudem steige die Liquidität an den Börsen durch die hohen Zuflüsse in die Aktienfonds ständig an. "Die Kreditmärkte funktionieren dagegen nach wie vor nur sehr schleppend", stellt der Investmentbanker fest. Deshalb können Finanzinvestoren nur noch in Ausnahmefällen große Übernehmen stemmen. Gleichzeitig fällt der Verkauf von Portfoliounternehmen schwerer, denn andere Private-Equity-Häuser bieten in der Regel bei großen Verkäufen nicht mehr mit. Es bleiben neben Börsengängen nur noch strategische Investoren übrig.

Die Platzierung von Aktien an der Börse biete gute Chancen für die Private-Equity-Häuser, die Kredite der Firmen zurückzuführen und gleichzeitig Geld für die Ausschüttung an die Investoren in den Fonds in die Kasse zu bekommen, so Frantzke. Es gibt aber auch einen Nachteil: Es müsse ein Abschlag auf den Unternehmenswert als Zeichnungsanreiz gewährt werden, sagt Lars Stiewe, Direktor Aktienemissionen bei BNP Paribas.

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