Neuemissionen
Flaute am IPO-Markt setzt sich 2009 fort

Die Finanzkrise hat das Geschäft mit Aktien-Neuemissionen zum Erliegen gebracht. Und auch für das kommende Jahr ist keine Besserung in Sicht. Experten rechnen mit nur zwei IPOs im regulierten Markt in Deutschland - als Kandidaten gelten lediglich zwei Solarunternehmen.

Im nächsten Jahr wird es in Deutschland zehn bis 15 Kapitalerhöhungen geben. Davon ist Christoph Stanger, Partner bei Goldman Sachs überzeugt. Für Börsengänge sieht er insgesamt schwarz, auch wenn er erstmalige Notizen auf dem Parkett nicht ganz ausschließen will. Der Berater Kirchhoff Consult sieht die beiden Solartechnikunternehmen Schott Solar und Sovello als potenzielle Börsenkandidaten für das nächste Jahr. Das Volumen der Aktienemissionen in Deutschland insgesamt sieht er "bei rund zehn Mrd. Euro" und damit etwa auf dem Niveau des laufenden Jahres.

Bereits im laufenden Jahr ist der Markt für Börsengänge, Initial Public Offerings (IPO) praktisch zum Stillstand gekommen. Selbst die Deutsche Bahn sagte angesichts der Turbulenzen bei Aktien die geplante Emission über rund fünf Mrd. Euro ab. Insgesamt gingen in Deutschland 2008 nur zwei Unternehmen an den geregelten Markt. Dabei handelte es sich um SMA Solar und GK Software, deren Emissionsvolumen insgesamt 0,4 Mrd. Euro betrug. Ein Jahr zuvor zählten die Börsensegmente Prime- und General Standard noch 25 Neuemissionen mit einem Gesamtvolumen von 7,4 Mrd. Euro. Einen Ausgleich für die Flaute boten vor allem Kapitalerhöhungen bei Banken, die angesichts der Krise gezwungen waren, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. Die größte kam Ende September von der Deutschen Bank mit einem Volumen von 2,2 Mrd. Euro. Die Commerzbank und die Deutsche Postbank zapften den Markt ebenfalls mit einer Schnellplatzierung von Aktien und einer Bezugsrechtsemission über 1,1 und 1,0 Mrd. Euro an.

Die Flaute bei Börsengänge dürfte zunächst anhalten. So hat eine Studie des Beraters Kirchhoff Consult ergeben, dass in Krisenzeiten aufgeschobene Börsengänge in der Regel nach zwei bis drei Jahren nachgeholt werden. Gab es beispielsweise nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2003 keine Neuemission, waren es 2006 schon wieder 32 IPOs. Ein ähnliches Bild zeigte sich nach dem Oktobercrash 1987 und der zweiten Ölkrise im Jahr 1980. Auch für Heinrich Lind, Partner bei Ernst & Young, ist klar: "Erst wenn wieder Klarheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung herrscht, werden wieder mehr Unternehmen an die Börse gehen - frühestens Ende 2009." Die anhaltenden Kursschwankungen und niedrige Bewertungen haben 2008 die Rekordzahl von 298 Firmen weltweit dazu bewogen, ihre Börsengänge abzusagen oder zu verschieben, hat Ernst & Young errechnet.

Im Gegensatz zu IPOs wird nach der Meinung von Stanger das Geschäft mit Kapitalerhöhungen weiter gut laufen. Er erwartet bei einer Beruhigung des Marktes 2009 Abschläge von 25 bis 35 Prozent auf den Aktienkurs bei den Platzierungen und sieht steigenden Kapitalbedarf auch von Firmen außerhalb des Finanzsektors. Als Gründe nennt er, neben Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme, eine Reduzierung des Verschuldungsgrades und die Aufnahme von Mitteln für eine Expansion in schwierigen Zeiten. Die Rolle von Hedge-Fonds als große Investoren sieht der Investmentbanker schrumpfen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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