Neuemissionen
IPO sollen Anlegern mehr bringen

Eigentlich wollen in diesem Jahr zahlreiche Unternehmen an die Börse gehen. Doch derzeit drehen Investmentbanker Däumchen. Das liegt nicht nur an der Finanzkrise, sondern speziell auch an der schlechten Performance der meisten Aktien-Neuemissionen 2007. Doch künftig soll vieles besser werden.
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Langfristig, sagt der Ökonom John Maynard Keynes, sind wir alle tot. Von dieser unbestreitbaren Wahrheit profitiert die Ahorn AG, Deutschlands größter Totengräber. 2008 würde der Bestattungs-Filialist vermutlich gern an die Börse gehen. Sein Geschäft ist krisensicher, bringt hohe zweistellige Renditen und wirft zuverlässig Cash-Flows ab. Eigentlich müssten Anleger den Banken die Aktien nur so aus den Händen reißen.

Eigentlich. Doch leider tut sich auf dem Markt für Börsenneulinge (IPO-Markt) seit Monaten nichts. Die Finanzkrise und die damit verbundene Flucht der Anleger aus riskanten Investments, zu denen wegen ihrer begrenzten Liquidität eben auch kleinere Aktien zählen, haben das IPO-Geschäft seit August fast vollständig lahmgelegt. Investmentbanker drehen Däumchen. Mit dem Hamburger Hafen (HHLA) und dem Solaranbieter Centrotherm schafften nach dem Sommer 2007 nur noch zwei größere Unternehmen den Sprung aufs Parkett.

Zum Glück. Denn aus Sicht der Anleger war der IPO-Jahrgang 2007 ein Desaster. Im Prime Standard, dem Vorzeigesegment der Deutschen Börse, in dem Unternehmen Anlegern die meisten Informationen geben müssen, lagen 17 von 21 Neulingen zum Jahresende unter ihrem Ausgabekurs. Zeichnungsgewinne am ersten Börsentag blieben meist aus.

Enttäuschung, wohin man schaut. Vier der sechs größten Börsenneulinge - Tognum, Versatel, Gerresheimer und Alstria - notieren deutlich im Minus, lediglich Centrotherm und HHLA brachten Anlegern Gewinne. Bei den kleineren Werten lagen sogar nur zwei, der chinesische Abfall-Spezialist Zhong De und der deutsche Bergbau-Zulieferer SMT Scharf, zu Silvester im Plus.

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"Natürlich nicht zufriedenstellend" hätten sich die meisten Aktien nach ihrem Börsengang 2007 entwickelt, sagt Georg Hansel, Leiter des IPO-Geschäfts beim Platzhirsch Deutsche Bank. Dies bereite aber keine Probleme, so der Deutschbanker: "Von den Zeichnern kommen keine Vorwürfe. Die hochprofessionellen Investoren wussten, was sie kauften, und auch, zu welchem Preis." Rund zehn Prozent der neuen Aktien landeten 2007 bei Privaten. Die dürften die Kursverluste allerdings kaum so locker sehen.

Investmentbanker schieben das ernüchternde Abschneiden von Neulingen gern auf das schwache Börsenumfeld. Tatsächlich erlebt die Börse zurzeit einen Salami-Crash der als riskanter geltenden Nebenwerte. Scheibchen um Scheibchen wird vom Marktwert der kleineren Unternehmen abgesäbelt. Nicht nur IPOs, auch die längst etablierten Titel leiden. Die mit mittelgroßen und kleinen Aktien bestückten Indizes MDax und SDax entwickeln sich seit Wochen deutlich schlechter als der Dax.

"Eine generelle Zurückhaltung der Investoren gegenüber Nebenwerten ist natürlich nicht gut für IPOs. Denn die meisten Kandidaten sind keine hochkapitalisierten Large Caps", sagt Cornelius Clotten, Leiter Equity Capital Markets Deutschland bei Dresdner Kleinwort. In der zweiten Jahreshälfte "war es extrem schwierig, Investoren zu einem Neu-Engagement in Nebenwerten zu bewegen", klagt auch Deutschbanker Hansel.

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