Neuemissionen
Open BC will erster IPO der Web-2.0-Ära werden

Das Online-Netzwerk Open BC will innerhalb der kommenden sechs Monate an die Börse gehen. Das gab Lars Hinrichs, der Gründer des Hamburger Unternehmens am Donnerstag bekannt.

DÜSSELDORF. Open BC ermöglicht die Verwaltung der Daten von Geschäftskontakten per Internet und das leichte Knüpfen neuer Bekanntschaften. In manchen Branchen, so in der IT und der Werbung, gehört es zum guten Ton, Mitglied auf der Plattform zu sein. Die Grundmitgliedschaft ist dabei gratis, mehr Funktionen gibt es per Abonnement, das 5,95 Euro pro Monat kostet.

Die Zahlen, die Open BC gestern vorstellte klingen beeindruckend: Rund 13 Prozent der 1,45 Mill. Mitglieder zahlen. Allein von Juli bis September stieg die Zahl der Nutzer um 23 Prozent. Während das Unternehmen im Geschäftsjahr 2005/06 (30.6.) 5,99 Mill. Euro umsetzte, sollen es im laufenden Jahr schon zehn Mill. werden.

„Wir sind weltweit der erste Web- 2.0-Börsengang“, verknüpft Hinrichs seine Firma mit dem derzeit heißesten Online-Trend: Aus passiven Nutzern sollen aktive Inhalteproduzenten werden, die sich innigst vernetzen. Allerdings stelle die Vorreiterposition auch ein Problem dar: „Die Banken haben keine direkten börsennotierten Vergleichsunternehmen um einen Maßstab zu anzulegen." Mit dem Börsengang will sich Open BC außerdem umbenennen in Xing.

In Finanznewslettern wird spekuliert, die Hamburger wollten 100 Mill. Euro einnehmen. Sie selbst kommentieren das nicht. Mit dem Geld soll die internationale Expansion finanziert werden. Unter anderem hegt Open BC ehrgeizige Pläne in China. Allerdings werden die Altaktionäre zumindest teilweise Kasse machen: Ob dabei einzelne Anteilseigner völlig ausscheiden, sei noch nicht entschieden.

Derzeit wirkt die Eigentümerstruktur wie ein Flickenteppich. Durch mehrere Finanzierungsrunden gibt es 18 beteiligte Parteien, darunter Freunde von Gründer Hinrichs, Mitarbeiter und ungewöhnlichere Konstruktionen wie Antheria, die Holding der Kunstsammlerin Monique Burger, der Frau von Max Burger-Calderon, Senior Partner beim Wagniskapitalunternehmen Apax. Aber natürlich sind auch bekannte Namen aus der Kapitalgeberszene dabei, so Wellington Partners, das im August 2005 knapp unter 20 Prozent der Anteile für 5,7 Mill. Euro übernommen hat.

Auf Bankenseite wird Open BC betreut von der Deutschen Bank und Lehmann Brothers, auch die Landesbank Baden-Württemberg und die Zürcher Kantonalbank sind im Konsortium.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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