Neuemmissionen
Börsengänge im Anflug

Mit der Erholung an der Börse könnten bald auch einige Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagen. Banker erwarten nach langer Durststrecke wieder Neuemissionen in Deutschland - spätestens im Herbst. Besonders für Unternehmen mit defensiven Geschäftsmodellen ist das Marktumfeld günstig.

FRANKFURT. Die deutliche Kurserholung der vergangenen Monate könnte dazu führen, dass es noch in diesem Jahr zu einigen größeren Börsengängen (IPO) in Deutschland kommt. "Die Wiedereröffnung des Marktes für Börsengänge ist in diesem Jahr noch zu erwarten. Die Zeit ist reif", sagt Andreas Bernstorff, der bei der Citigroup das Geschäft mit Aktienemissionen im deutschsprachigen Raum leitet.

Als sich in den Sommerwochen abzeichnete, dass sich Konjunktur und Unternehmenszahlen überraschend erholten, hätten viele Investmentbanken aufs Tempo gedrückt, um Platzierungen für den Herbst vorzubereiten, heißt es in der Branche.

Dabei hatte es lange Zeit so ausgesehen, als würde es 2009 überhaupt keine Emission in Deutschland geben. Der letzte Börsengang im Premiumsegment Prime Standard fand im Juni 2008 statt. Der Solar-Zulieferer SMA Solar sammelte während einer kurzen Aufhellung der damals bereits ein Jahr anhaltenden Finanzkrise rund 360 Mio. Euro ein. Seit dem Frühjahr zeigt der weltweite IPO-Markt zwar erste Anzeichen der Besserung, besonders aus China und den USA gab es viel versprechende Hoffnungszeichen. Die Gefahr, dass 2009 damit nach 1968 und 2003 als ein Jahr ohne jeglichen Börsengang in die deutsche Geschichte eingehen wird, wäre damit gebannt.

"Auch für Börsengänge birgt das derzeitige Umfeld Chancen für defensive Geschäftsmodelle mit erstklassiger Story. Ich sehe derzeit bis zu drei Unternehmen, die noch dieses Jahr erfolgreich an den Markt kommen könnten", sagt Achim Schäcker von HSBC Trinkaus. Eine größere Anzahl von Börsengängen erwartet er frühestens 2010.

Wer es als Erster nach mehr als 15-monatiger Pause wagt, mit seinen Börsenplänen an die Öffentlichkeit zu gehen, kann nur spekuliert werden. Zuletzt war in Bankkreisen die Flughafen-Tochter Concessions des Baukonzerns Hochtief genannt worden. Weniger Aussicht auf Erfolg dürften hingegen die in den vergangenen Jahren am Aktienmarkt so erfolgreichen Unternehmen aus der Umwelttechnologie haben. Zu sehr kamen die Aktien der börsennotierten Unternehmen zuletzt wegen des immensen Preisdrucks unter die Räder. "Der ideale Börsenkandidat ist jetzt ein defensiver Wert mit internationalem Wachstumspotenzial", sagt Klaus Schinkel von der Royal Bank of Scotland (RBS).

Diese sollten auch nicht allzu klein sein. Ein Emissionsvolumen von über 500 Mio. Euro sollte es den Investoren zufolge schon sein. Erst dann sehen sie die nötige Liquidität einer Aktie gewährleistet, die auch in schwierigen Marktphasen einen ausreichenden Handel garantiert. Für kleinere Börsenkandidaten, die weniger einnehmen, dürften die Zeiten weiterhin schwierig bleiben. Kleine und mittelgroße Werte sind trotz zwischenzeitlicher Erholung bei Investoren noch immer kaum gefragt.

Dass sich wieder Interesse an Börsenkandidaten regt, liegt nicht nur an den steigenden Börsenkursen. Auch den Großinvestoren selbst geht es wieder besser, so dass ein Mangel an Liquidität - wie noch vor kurzem - nicht mehr zu befürchten ist. Das gilt speziell für die Gruppe der Hedge-Fonds, die in den Boomzeiten von 2004 bis 2007 bis zur Hälfte des Emissionsvolumens bei Börsenkandidaten zeichneten und die nach massiven Verlusten zuletzt wieder von Zuflüssen berichtet haben.

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