Neuer „Star“
Criteria strebt an die Börse Madrid

Trotz unsicherer Marktlage wird der spanische Aktienmarkt am 10. Oktober einen neuen Star begrüßen können: Criteria. Die Beteiligungsgesellschaft der größten spanischen Sparkasse La Caixa wird für den größten Börsengang in Spanien seit neun Jahren und einen der größten in diesem Jahr in Europa sorgen.

MADRID. Das Emissionsvolumen wird etwa drei Mrd. Euro betragen. Morgan Stanley und UBS bringen die insgesamt 20 Prozent der Criteria-Anteile an die Börse.

Heute werden die Aktien zugeteilt und der endgültige Preis festgelegt. Der Maximalpreis für Einzelinvestoren wurde bereits auf 6,75 Euro pro Aktie fixiert, die Untergrenze liegt bei fünf Euro pro Aktie. Von den insgesamt 657,5 Mill. Aktien gehen mehr als die Hälfte an Einzelinvestoren. Dank des mächtigen Vertriebs der Criteria-Mutter La Caixa mit mehr als 5 200 spanischen Filialen war das Angebot an Einzelinvestoren gut 2,5mal überzeichnet.

Ein Trio aus Criterias Präsidenten Ricardo Fornesa, Generaldirektor Francisco Reynés sowie La Caixas Generaldirektor Juan María Nin hat bei einer Road Show durch Europa und die USA versucht, institutionelle Anleger von der Qualität der Gesellschaft zu überzeugen. Für Institutionelle sei die Aktion erst unter 5,70 Euro attraktiv, lautete indes der Tenor der Analysten. Holdings werden ohnehin meist mit einem relativ hohen Abschlag von 17 bis 35 Prozent bedacht, die angespannte Marktlage ist dabei nicht hilfreich. Die spanische Holding Corporacion Financiera Alba etwa wurde vor den Finanzmarktwirren noch mit einem Abschlag von 25 Prozent gehandelt, nun liegt der Börsenwert von Alba 40 Prozent unterhalb des Nettowerts seiner Aktiva. Das Portfolio von Criteria bewertet La Caixa mit 19,5 Mrd. Euro. Ein Preis von 5,70 entspräche einem Abschlag von 23 Prozent.

Eine Holding wie Criteria muss den Investoren vor allem erklären, warum sie Criteria-Aktien kaufen sollen, anstatt einfach direkt Firmen aus dem Beteiligungsportfolio zu investieren. Der Großteil des Beteiligungsportfolios sind börsennotierte Unternehmen, darunter einige Schwergewichte des spanischen Börsenindex. Criteria hält 35,5 Prozent am Energieversorger Gas Natural, 12,5 Prozent am Energieriesen Repsol YPF, und 5,5 Prozent an Telefonica. Nur 3,6 Mrd. Euro schwer sind dagegen die nicht-börsennotierten Firmen im Portfolio, etwa das Immobilienunternehmen Holret oder der Vergnügungspark Port Aventura.

Allerdings handelt es sich bei einem Großteil der Beteiligungen, vor allem im Finanzbereich, um hundertprozentige Töchter von La Caixa, wie das Versicherungsunternehmen Caifor, die Fondsgesellschaft InveCaixa Gestión oder die Verbriefungsgesellschaft GestiCaixa. Die Criteria-Führung rühmt sich daher, dass sich ihr Portfolio 2007 besser als der Börsenindex entwickelte, der nur um zwei Prozent zulegte.

In den nächsten Monaten dürfte Bewegung in das Portfolio kommen. Criteria will den Anteil der Finanzfirmen, die bisher nur 17 Prozent ausmachen, mit Hilfe des Börsengangs auf 40 bis 60 Prozent aufstocken. Dafür schaut man sich vor allem in Osteuropa, Asien und den USA um. „Lateinamerika ist (dagegen) schon gut von den großen spanischen und nordamerikanischen Banken besetzt“, sagt Juan María Nin, Generaldirektor von La Caixa. Vor wenigen Wochen machte Criteria schon einen Schritt in Richtung Asien, als es 4,11 Prozent der Hongkonger „Bank of East Asia“ kaufte. „Wenn Criteria Banken kauft wird die Aktie interessanter“, sagt Arturo Frias von Dresdner Kleinworth.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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