Neuordnung des Zuckermarktes überdeckt gute Unternehmenszahlen
EU-Pläne ziehen Südzucker-Aktie runter

Seit die EU-Kommission im Juli erste Pläne für eine tief greifende Reform ihrer 40 Jahre alten Zuckermarktordnung vorgelegt hat, geht es für die Südzucker-Aktie kontinuierlich bergab. Und die Talfahrt könnte noch weiter andauern.

DÜSSELDORF. In den vergangenen vier Monaten hat das Papier rund zehn Prozent an Wert verloren. Gestern fiel sie bis auf 14,28 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Und die Talfahrt könnte noch weiter andauern. Denn erst im kommenden Jahr sollen nach Angaben der EU-Kommission die bisherigen Marktverzerrungen durch Produktions- und Preiskürzungen endgültig beseitigt werden.

Obwohl laut der Agentur Bloomberg mit 13 von 16 Analysten noch immer eine deutliche Mehrheit zum Kauf oder zumindest zum Halten der Aktie rät, sollten Anleger vorsichtig sein. Zwar gilt das im Nebenwerteindex MDax notierte Papier mit einer Dividendenrendite von deutlich über drei Prozent und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp über acht als attraktiv. Da die Reformvorschläge der Kommission aber insgesamt eine Kürzung der Zuckerpreise um rund ein Drittel in den kommenden vier Jahren vorsehen, seien weitere Kursverluste, die die Dividendenrendite deutlich übertreffen dürften, durchaus realistisch, sagen einige Experten.

Auch die günstige Bewertung ist nicht unbedingt ein Kaufsignal. Viele Experten sehen den fairen Wert der Aktie bei über 17 Euro. Allerdings gilt das Papier bei Analysten schon seit Jahren als unterbewertet. „Es wäre schon erstaunlich, wenn sich das gerade jetzt ändern würde“, sagt ein Vermögensverwalter.

Wie groß zurzeit die Skepsis im Markt ist, zeigte sich auch bei der Vorlage der aktuellen Halbjahreszahlen vor rund zwei Wochen. Obwohl der Konzern mit den Daten die Erwartungen der Analysten deutlich übertraf, konnte sich das Papier nicht erholen. Zum Teil lag dies aber auch daran, dass der Konzern angesichts der gestiegenen Rohstoffpreise eine vorsichtigere Gewinnprognose für das laufende Jahr abgab.

Positive Nachrichten sind von Europas größtem Zuckerkonzern mit Sitz in Mannheim, der über 20 Prozent des europäischen Marktes abdeckt, daher zurzeit wohl kaum zu erwarten. Allein die Möglichkeit, dass die Neuordnung des Zuckermarktes durch den Widerstand nord- und südeuropäischen Staaten, die ein Ende des Zuckerrübenanbaus befürchten, noch verzögert werden könnte, lässt manchen Anleger noch hoffen.

Analysten versprechen sich daneben Impulse durch die Neuausrichtung des Konzerns. Südzucker baut mit dem so genannten Spezialitätengeschäft ein zweites Standbein auf. In diesen Bereich fallen unter anderem Süßstoffe, Pizzen, Saucen und Backzutaten. Unter dem Strich verringere Südzucker damit die Abhängigkeit vom Zuckergeschäft, sagt beispielsweise Iris Schäfer, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg, deren Anlagevotum derzeit „halten“ lautet. Noch stammen aus dem Spezialitätengeschäft aber nur rund 28 Prozent des Konzernumsatzes.

Auch von der verstärkten Expansion in Osteuropa wird der Kurs zumindest in den kommenden Monaten kaum profitieren können . Langfristig sei dies zwar die richtige Strategie, schreiben die Experten der Baden-Württembergischen Bank in einer aktuellen Studie. Mittelfristig würden die positiven Effekte aber noch von der Unsicherheit bezüglich der Zuckermarktreform überschattet. Zumindest sei auf Grund der moderaten Bewertung das Kursrisiko aber begrenzt, erklären die Analysten. Die Bank stuft die Aktie weiterhin mit „halten“ ein.

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