Niemand fürchtet Wiederkehr der Baisse
Charttechniker: Börsen fallen weiter

Schlechte Konjunkturdaten aus den USA und ein wieder erstarkter Euro lasten auf den Aktienmärkten. Investoren fürchten, dass die amerikanische Wirtschaft nicht so stark anspringt wie erhofft. Deshalb erleben Anleger die erste stärkere Korrektur seit Beginn der Rally im März, die dem Deutschen Aktienindex (Dax) fast 70 % Gewinn brachten. Nach Meinung technisch orientierter Analysten wird sich die Talfahrt noch fortsetzen. Ein Ende ist aber in Sicht.

DÜSSELDORF. Der Rückwärtsgang kam mit Ansage. Im August kristallisierten sich in den meisten großen Indizes gefährliche Topbildungen heraus: Im Dax, wie auch im Euro Stoxx 50, vollendete sich eine Kopf-Schulter-Formation. Dabei gelingt es den Kursen in einem Aufwärtstrend nicht mehr, neue Hochs zu erreichen – untrügliches Zeichen dafür, dass dem Markt die Luft ausgeht und eine Gegenreaktion bevorsteht. „Messbar“ wurde der Umschwung in der Handelsdynamik – die Umsätze sanken. Schon Anfang August prophezeiten die meisten deutschen Charttechniker im Handelsblatt fallende Kurse und die erste ausgedehnte Korrektur seit Beginn der Rally im März dieses Jahres.

Als wenig später die für eine Kopf-Schulter-Formation wichtige Nackenlinie (Chart) dynamisch und unter hohen Umsätzen nach unten durchbrochen wurde, waren letzte Zweifel am bevorstehenden Rückwärtsgang beseitigt. Vier Wochen nach seinem Hoch hat der Dax inzwischen mehr als 10 % eingebüßt.

„Räumlich und zeitlich wird sich die Korrektur noch weiter ausdehnen“, sagt Commerzbank-Expertin Kerstin von Kerssenbrock für die nächsten Wochen schwächere Kurse voraus. Bis auf 3 000 Punkte sieht sie den Dax fallen. Der Aufwärtstrend sei zwar beendet, eine neue Baisse drohe damit aber nicht.

Ähnliche Börsentiefen – ohne dass Anleger Schlimmeres als eine „klassische Korrektur“ befürchten müssen – prophezeit auch HSBC-Kollege Rainer Sartoris: „Anzeichen für größere Rückgänge sehe ich nicht.“ Im Bereich zwischen 3 066 und 3 029 macht Sartoris massive Unterstützungen aus, die einen weiteren Fall verhindern dürften. Bei 3 031 Punkten verläuft derzeit die 200-Tage-Linie, also der Kursdurchschnitt aus den vergangenen 200 Handelstagen. In der Vergangenheit erwies sich diese Linie als zuverlässige Unterstützung.

Auch Klaus Deppermann von der BHF ING-Bank erwartet noch für „einige Wochen“ eine Fortsetzung der Korrektur, sieht aber „nicht den Beginn eines länger anhaltenden Abwärtstrends wie im letzten Jahr“. Seinen zyklischen Indikatoren zufolge ist Ende Oktober mit einem Ende der Kursrückgänge zu rechnen und anschließend mit einer Aufwärtsbewegung bis „mindestens März 2004“. Die Schwächephase der nächsten Wochen sieht Deppermann als gute Kaufgelegenheit, ehe die Kurse wieder steigen.

Darauf will sich Uwe Wagner nicht verlassen. Der Deutsch-Banker erkennt nach dem deutlichen Fall in den vergangenen Tagen keine zuverlässigen Unterstützungen mehr. „Indizien auf eine Trendwende liegen nicht vor.“ Wagner rät Anlegern, Neupositionierungen zunächst zurückzustellen.

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