Nobelmarken haben Absatzflaute durchschritten – Vor allem China gilt als Wachstumsmarkt
Luxus-Aktien gewinnen an der Börse wieder an Reiz

Luxus geht immer. Immer? Das scheinbar eiserne Ökonomiegesetz, nach dem sich die Reichen und Superreichen dieser Welt zwar durch schlecht temperierten Champagner, nicht aber eine veritable Wirtschaftskrise aus der Ruhe bringen lassen, hat in den vergangenen zwei Jahren seine Glaubwürdigkeit verloren.

DÜSSELDORF. Die Terroranschläge von New York, der Irak-Krieg und die Lungenseuche SARS setzten dem Boom der Luxuskonzerne, die in den Neunzigern noch jährlich in zweistelliger Prozenthöhe zulegten, ein Ende. Weil die Zahl der Geschäftsreisenden absackte, blieben die Flughafenshops auf ihren Top- Marken sitzen. Zudem verebbte der Strom von Touristen aus Japan und den USA, die auf Europas Prachtmeilen als treue Luxus-Kunden galten.

Hinzu kommt, dass vor allem in Europa die Shopper zunehmend zu alternativen Anbietern greifen, die billiger, aber dennoch topmodisch sind. „Zara und H&M sind in der Krise zu neuen Protagonisten herangewachsen“, kommentiert der Mailänder Firmenberater Carlo Pambianco den Aufstieg der schlagkräftigen Konkurrenz, die sich oft in unmittelbarer Nachbarschaft der angestammten Luxusanbieter ansiedelt.

Selbst die Big Players der Branche mussten inzwischen Federn lassen. Luxus- Weltmarktführer LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton verlor im vergangenen Quartal 3,2 % seines Umsatzes, in den drei Monaten zuvor waren es sogar 15 %. Um ihren Schuldenberg abzutragen, haben sich die Franzosen auch von Unternehmensteile getrennt. Der italienische Erzkonkurrent Gucci schrieb im jüngsten Quartal erstmals seit dem Börsengang 1995 operativ rote Zahlen. Zuvor waren die Umsätze drastisch eingebrochen. Erst gar nicht an den Aktienmarkt traut sich der Lederdesigner und Edel-Couturier Prada. Die hoch verschuldeten Mailänder sagten zum dritten Mal den Börsenstart ab.

Seit Sommer fassen die Hersteller von Nobelmarken jedoch neuen Mut. „Es gibt Hoffnungen in der Branche“, sagt Ronald Wildmann, Luxusgüter-Spezialist bei der Schweizer Bank Leu. Die Angst vor Rückschlägen im Geschäftsreisemarkt sei gebannt, heißt es bei Branchenanalysten in Paris. Vor allem in China blühen Hoffnungen: „In zehn Jahren ist dies der größte Luxusmarkt der Welt“, sagt eine französische Analystin. Schon jetzt seien viele Chinesinnen bereit, für ein Parfümflakon bis zu zwei Monatsgehälter auf den Tisch zu blättern. Und das Einkommen steige rapide.

In den Bilanzen der Luxusanbieter macht sich das schon bemerkbar. Der 165-jährige Pariser Luxusschneider Hermès Internationallegte in Ostasien – ohne Japan – im vergangenen Quartal 18 % zu. „Auf jeden Fall liegt unsere Zukunft im Fernen Osten“, sagte Gucci-Vorstandschef Domenico De Sole vergangene Woche auf dem Mailänder Mode-Weltgipfel. In zehn Jahren werde sein Unternehmen 30 % des Umsatzes in dieser Weltregion erzielen – ohne Japan. Zur Zeit sind es nur 16 %.

Diego Della Valle, Chef des exquisiten italienischen Leder-Verarbeiters Tod’s sieht das ähnlich. Er warnt aber davor, gleich die Produktion ins Reich der Mitte zu verlagern. Das würde den Plan durchkreuzen, die Kundschaft in Europa und den USA zurückzuerobern.

Denn auch dort keimen neue Hoffnungen. Während die Wachstumsaussichten auf dem alten Kontinent noch relativ schwach ausfallen, hat der Konsum in den USA bereits wieder stark angezogen. 6,6 % stiegen die Ausgaben der Verbraucher im dritten Quartal 2003. Viele US-Bürger fühlen sich inzwischen reicher, weil ihre Aktien und Immobilien kräftig an Wert gewinnen. „Dies sind gute Voraussetzungen für die Bereitschaft, Luxusgüter zu erwerben“, glauben Analysten.

Analysten der Investmentbank Merrill Lynch rechnen damit, dass der 58 Mrd. Euro schwere Luxus-Weltmarkt in den kommenden drei Jahren jährlichen um 8 % zulegen wird. Die Gewinne könnten mit 13 % sogar noch rascher wachsen. Die überraschend positiven Quartalsberichte zahlreicher Luxusanbieter haben die Trendwende bereits eingeläutet. 3 % werde der Umsatz mit Edelmarken bereits in diesem Jahr zulegen, erklärt die Mailänder Beratungsfirma Intercorporate. Noch bis vor kurzem hatte sie mit einem Einbruch von 10 % gerechnet.

Hohe Erwartungen knüpfen Analysten vor allem an die Aktie des Marktführers LVMH. Das Kerngeschäft mit der Luxusmarke Louis Vuitton wächst derzeit im zweistelligen Prozentbereich, im Reisegeschäft haben die Franzosen ihre Wettbewerber längst abgehängt. Auch das Währungsrisiko sei über Hedging-Geschäfte weitgehend abgesichert, heißt es bei der WestLB.

Die Bank Leu und viele andere empfehlen zudem die Aktie der Luxus-Holding Richemont – aus einem anderen Grund: Der zweitgrößte Luxuskonzern der Welt, der vor drei Jahren durch überteuerte Zukäufe der Uhrenmarken IWC, Lange Söhne und Jaeger-LeCoultre in die Krise rutschte, habe das größte Aufholpotenzial. „Die stehen derzeit am übelsten da“, sagt ein Analyst. Das Sparprogramm von Richemont zeigt bereits erste Wirkungen. Melanie Flouquet, Analystin bei J. P. Morgan Chase, rät daher, den Cartier- und Montblanc-Anbieter im Depot „überzugewichten“.

Als Geheimtipp gilt in der Branche auch der edle Karomode-Anbieter Burberry. Die Briten haben ihren Gewinn im ersten Halbjahr um 25 % gesteigert – 8 % mehr als von der Börse erwartet. Merrill Lynch empfiehlt Burberry mit LVMH als einzige Luxus-Aktien zum Kauf.

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