Nur BMW verspricht weitere Kursgewinne
Experten warnen vor Verlusten bei Autoaktien

Nach jahrelanger Talfahrt haben sich die Aktienkurse der europäischen Autohersteller in den vergangenen Monaten massiv erholt. Seit den Tiefs im März legten die Titel zwischen rund einem Drittel (Daimler-Chrysler, VW und PSA Peugeot Citroen) und zwei Drittel (BMW und Renault) zu. Ob diese Kursanstiege auch gerechtfertigt sind, wird sich zeigen, wenn die Konzerne ab morgen ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Analysten sind sehr skeptisch und erwarten teils verheerende Ergebnisse.

FRANKFURT/M. „Die Mischung aus schwacher Nachfrage, steigenden Verkaufsanreizen und Belastungen aus der Stärke des Euro dürften ihre Spuren in den Ertragsrechnungen hinterlassen haben“, meinen die Analysten der Hypo-Vereinsbank und rechnen bei den deutschen Herstellern mit „deutlichen Ergebnisrückgängen“. Wolfgang Albrecht, Autoexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sagt: „Positive Überraschungen wird es kaum geben.“ Und selbst positive Überraschungen könnten nicht ausreichen, die Kursniveaus auch nur zu halten: Als Ford in der vergangenen Woche mehr Gewinn als erwartet vermeldete, ging die Aktie dennoch auf Talfahrt.

Autowerte also schnell noch verkaufen? Nicht generell, sagen Analysten. Bei VW und Daimler-Chrysler sei zwar in der Tat äußerste Vorsicht geboten, doch BMW beispielsweise biete weiteres Kurspotenzial.

Unter den Einzelwerten setzen die Analysten ganz eindeutig auf BMW. Die Münchener haben – vor allem dank des Mini – recht stabile Absatzzahlen. Dabei ist der Modellzyklus in einer ungünstigen Phase: die neue 5er- und 6er-Reihe sowie der X3 kommen erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt. Das zeugt von Stärke. „Kaufen“ lautet daher das Urteil der SES Research GmbH – wie das Urteil der meisten Analysten.

Etwas tiefer in der Gunst der Experten stehen die französischen Hersteller Renault und PSA Peugeot Citroen. Analyst Albrecht sagt: „Einfach ausgedrückt stimmen bei Renault die Fundamentaldaten. Die einzige Sorge ist, ob Renault-Titel an der Börse nicht schon zu stark gestiegen sind.“ Die Peugeot-Aktie hat dagegen noch nicht so enorm an Wert gewonnen und ist für die meisten Analysten zumindest eine „Halte“-Position.

„Halten“ empfiehlt ein Teil der Experten auch Aktionären von Daimler-Chrysler und VW. Bei anderen Analysten fällt das Urteil mit „Verkaufen“ klarer und härter aus. Die Analysten der HVB verweisen bei Daimler-Chrysler auf das verlustreiche Geschäft der Bereiche Chrysler und Nutzfahrzeuge und raten Anlegern, Daimler-Chrysler-Anteile zu verkaufen – das Kursziel der Analysten lautet 21 Euro.

Bei VW wird befürchtet, dass die Aktie zu stark gestiegen sein könnte in der Hoffnung auf die neuen Modelle der traditionellen Gewinnbringer „Golf“ und „Passat“, die im Herbst und Anfang 2004 auf den Markt kommen. „Gerade in den Golf werden sehr große Hoffnungen gesetzt“, sagt Albrecht. Diese könnten leicht enttäuscht werden. „Denn das Design des Golf mutet eher bieder an, und die Konkurrenz hat nicht geschlafen.“ Zudem hat sich VW nicht gegen den starken Euro abgesichert, was sich im Quartalsergebnis bemerkbar machen wird.

Kurzfristig sind die Aussichten für die Autoaktien also denkbar unterschiedlich. Doch generell gilt für alle Autowerte: wichtig ist, dass die Wirtschaft wirklich, wie gebetsmühlenhaft herbeigesehnt, in absehbarer Zeit anspringt und die Autokonzerne dann endlich aus ihrer Krise finden: dem Teufelskreis aus sinkenden Absätzen, Überkapazitäten und teuren Kaufanreizen.

Einige Hoffnungsschimmer gibt es bereits am Auto-Himmel. Experten verweisen darauf, dass Autounternehmen und ihre Aktien Frühzykliker seien und daher mit am schnellsten profitieren würden, wenn die Weltwirtschaft tatsächlich anspringen sollte. Zwar habe die Börse das Szenario der Konjunkturerholung schon recht weit gespielt, doch gibt LBBW-Analyst Albrecht zu bedenken, dass die Bewertungen der Autoaktien zuvor auf historische Tiefs gesunken waren. Auch jetzt seien die Auto-Titel noch recht günstig bewertet.

Zudem hat sich eines der Probleme der europäischen Autobranche zumindest etwas entschärft: Die Stärke des Euros zum Dollar. Die Einheitswährung hatte in rund 15 Monaten zum Dollar um knapp 40 % an Wert gewonnen – schlecht für die Autobauer; sie sind vom Export in den Dollar-Raum abhängig. Und je stärker der Euro, desto unattraktiver, weil teurer, werden europäische Autos im Dollar-Raum. Zuletzt sank der Euro zum Dollar wieder. „Auch dies wurde an der Börse aber bereits gefeiert“, sagt Albrecht.

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