Nyse Euronext
Gestörte Festlaune

Die Übernahme der Vierländerbörse Euronext durch die New York Stock Exchange (Nyse) ist vollzogen, am (heutigen) Mittwoch debütiert die neue Aktie Nyse-Euronext. Doch die Fusion sorgt in den Niederlanden immer noch für Verstimmung.

HB PARIS. Die Aktie des frisch fusionierten transatlantischen Börsenbetreibers Nyse Euronext hat bei ihrem Börsendebüt am Mittwoch Kursverluste verzeichnet. Die Papiere lagen zu Handelsbeginn in Paris zunächst 0,8 Prozent im Minus. Gegen 10.45 Uhr notierten sie rund zwei Prozent im Minus bei 74,10 Euro, nach einem offiziellen Vortages-Schlusskurs von 75,61 Euro.

Unterdessen wird innerhalb der Euronext Unmut laut. Vor allem am Finanzplatz Amsterdam gibt es offenbar die Sorge, im neuen Ensemble nur noch eine Randrolle zu spielen. "Es gibt Spannungen", wird Euronext-Finanzvorstand Joost van der Does de Willebois in der niederländischen Wirtschaftszeitung "Het Financieele Dagblad" zitiert.

Euronext ist Betreiber der Aktienbörsen Paris, Amsterdam, Lissabon und Brüssel sowie der Londoner Terminbörse Liffe. Der Börsenbetreiber stand jahrelang im Zentrum eines Fusions-Hick-Hacks. Nachdem sich die Deutsche Börse für die London Stock Exchange interessiert hatte, streckte zunächst auch Euronext ihre Fühler Richtung London aus. Nachdem die LSE alle Fusionskandidaten abgewiesen hatte, gab es Gespräche zwischen der Deutschen Börse und Euronext über ein Zusammengehen. Doch die von den Franzosen dominierte Euronext fürchtete, ihr dezentrales Modell im Falle einer Fusion mit der Deutschen Börse aufgeben zu müssen. Daher zog Euronext-Chef Jean-François Théodore eine Fusion mit der Nyse vor, durch die der größte Börsenbetreiber der Welt entsteht.

In Amsterdam herrscht nun die Sorge vor, bei einer Aktie Paris-New York unter die Räder zu kommen; so solle der aktuelle Finanzvorstand von Euronext, der Niederländer van der Does de Willebois künftig nur noch der beigeordnete Finanzchef des fusionierten Börsenbetreibers sein. Ferner würden die Marketing-Budgets für die Plätze Amsterdam, Lissabon und Brüssel gekürzt.

Euronext wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Aus dem Umfeld der Euronext heißt es indes, dass keine Rede davon sein könne, dass niederländische Interessen unter die Räder kämen. Schließlich sei der Präsident des neuen Boards der Nyse-Euronext der Niederländer Jan-Michiel Hessels, derzeit Vorsitzender des Euronext-Aufsichtsrates. In Sachen Marketing-Budgets seien auch noch keine Beschlüsse gefallen.

In den Reihen der Euronext war die Zurückhaltung aus den Niederlanden gegenüber der Fusion mit der großen US-Börse aber immer wieder zu spüren. So hat der niederländische Finanzminister Gerrit Zalm quasi erst in letzter Minute der Übernahme der Euronext durch die Nyse seinen Segen gegeben. Zuvor ließ er sich das Recht einräumen, diese Zustimmung wieder zu widerrufen, sollten niederländische Interessen verletzt werden. Auch der in Amsterdam und Brüssel ansässige Emittentenverband EALIC hatte im Vorfeld der Fusion Kritik geübt und vor einer Ausweitung von US-Börsenregeln nach Europa gewarnt.

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