Österreich
Immobilienfirmen lassen die Krise hinter sich

Österreichs wichtigste Immobilienunternehmen haben die Finanzkrise weitgehend abgehakt. Binnen Jahresfrist sind die Kurse der Immobilien-Gesellschaften an der Wiener Börse um 25 Prozent gestiegen. Die Gesellschaften profitieren von der Erholung auf ihrem Heimatmarkt und in Deutschland.
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WIEN. Österreichs wichtigste Immobilienunternehmen haben die Finanzkrise weitgehend abgehakt. Binnen Jahresfrist sind die Kurse der Immobilien-Gesellschaften an der Wiener Börse um 25 Prozent gestiegen. Die österreichischen Immobilienentwickler profitieren dabei vor allem von der Erholung in Deutschland und auf ihrem eigenen Heimatmarkt. Ganz so gut läuft es in den osteuropäischen Ländern noch nicht, die für die Immobilien-Unternehmen aus Österreich genauso wichtig sind. Immofinanz, das größte Immobilien-Unternehmen aus der Alpenrepublik, hat sein operatives Geschäft im ersten Halbjahr weiter verbessern können.

Immofinanz-Vorstandschef Eduard Zehetner äußerte sich am Montag in Wien zuversichtlich, dass sich die Lage in Osteuropa in den kommenden Monaten weiter verbessern werde. Die Lage dort hat sich nach seinen Angaben stabilisiert, man habe "deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro" an Liquidität zur Verfügung. Der Wiener Immobilien-Entwickler will das Geld an erster Stelle in Objekte in Osteuropa investieren. 500 bis 600 Millionen Euro stünden in den kommenden Jahren auch dazu bereit, die von Immofinanz ausgegebene Wandelanleihen zurückzuzahlen.

Aktien der Unternehmen sind bei Anlegern beliebt

Operativ hat sich die Lage des Wiener Immobilien-Unternehmens in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2010/2011 (zum 30. April) weiter verbessert. Der operative Gewinn (Ebit) beträgt für das erste Halbjahr knapp 270 Millionen Euro, ein Zuwachs von fast 20 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Mieteinnahmen steigen ebenfalls, Immofinanz verbuchte eine Zunahme von fast fünf Prozent. Das Konzernergebnis ist in den ersten sechs Monaten jedoch um gut 30 Prozent auf 108 Millionen Euro gefallen. Zehetner machte dabei an erster Stelle Einmaleffekte im Finanzbereich verantwortlich. Zusätzliche Erträge aus dem Rückkauf von Anleihen sind weggefallen. Außerdem haben die schwachen Landeswährungen in Osteuropa für einen weiteren Abschlag beim Finanzergebnis gesorgt.

Unter Investoren sind Aktien wie die von Immofinanz trotzdem beliebt. Vor zwei Jahren stand das Unternehmen nach dem Beginn der Finanzkrise kurz vor dem Zusammenbruch. An der Wiener Börse war das Unternehmen gerade noch 250 Millionen Euro wert. Schwache Erträge besonders aus dem Osteuropa-Geschäft setzten dem Unternehmen damals schwer zu. Heute ist das Unternehmen an der Börse wieder etwa drei Milliarden Euro wert. Vorstandschef Zehetner, seit knapp zwei Jahren im Amt, hat seinen Sanierungskurs konsequent und mit Erfolg umgesetzt. Dafür sorgten der Verkauf von Objekten und steigende Mieteinnahmen.

Roland Neuwirth, Fondsmanager bei Salus Alpha, sieht "positive Signale" für Immobilien-Aktien. Nicht nur Immofinanz sei die Sanierung gelungen. Das Unternehmen sei inzwischen schon wieder so gefestigt, dass es sich Aktienrückkäufe erlauben könne. Unter den österreichischen Immobilienwerten hat sich auch die Wiener Conwert AG zum Rückkauf eigener Papiere entschieden. Das Unternehmen war vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Es hat sich auf Wohn-Immobilien in Deutschland und Österreich spezialisiert.

Sogar Banken steigen wieder in größerem Stil bei den Immobilien-Unternehmen ein. Die Bank Austria, Österreichs größtes Kreditinstitut und Tochter des italienischen Unicredit-Konzerns, hat vor wenigen Tagen einen Zukauf beim Immofinanz-Konkurrenten CA Immo angekündigt. Bis zu 30 Prozent der CA-Immo-Aktien will Österreichs wichtiges Geldhaus in den kommenden Monaten kaufen.

Die CA Immo biete ein Immobilien-Portfolio, das die "wachstumsstarken Entwicklungsaktivitäten in Deutschland ideal ergänzt", begründete ein Bank-Austria-Sprecher den Schritt. Das Wiener Immobilien-Unternehmen hatte im Spätsommer für etwa 200 Millionen Euro vor allem in Osteuropa Immobilien dazugekauft. Für CA Immo spricht aus Sicht der Bank Austria auch, dass das Unternehmen die Verschuldung reduzieren und die Eigenkapitalquote aufstocken wolle. Als großer neuer Investor bei CA Immo kalkuliert die Bank damit, dass sich die Lage in Osteuropa vom nächsten Jahr an weiter verbessern wird.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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