Österreichischer Baustoff-Spezialist zeigt gute Restrukturierungserfolge
Analysten sehen bessere Zeiten für RHI

Anleger, die die Zukunftsperspektiven des österreichischen Feuerfest-Baustoffspezialisten RHI verstehen wollen, sollten zuerst dessen Vergangenheit kennen. Spielte sich dort doch eine der erstaunlichsten Restrukturierungsgeschichten der vergangenen Jahre ab: 2001 kam auf die US-Tochter des Konzerns eine große Zahl von Asbest-Schadensersatzklagen zu, die am Ende nicht mehr zu kontrollieren war. Die als RHI Refractories Holding Company gebündelten US-Aktivitäten meldeten darauf Gläubigerschutz nach Chapter 11 an.

HB FRANKFURT/M. Die einzige Chance zum Überleben war damals, sich von der US-Tochter zu trennen und ein striktes Restrukturierungsprogramm zu entwerfen, um dem Gesamtkonzern wieder auf die Beine zu helfen. Insgesamt stand Ende 2001 ein Verlust von 865 Mill. Euro in der Bilanz.

Heute steht, die RHI-Aktie, die zu dieser Zeit von Investoren nicht mal mit spitzen Fingern angefasst wurde, bei Analysten wieder auf der Empfehlungsliste, wenn auch stets mit dem Zusatz „spekulativ“ versehen. Aktuell finden sich noch 290 Mill. Euro Schulden in der Bilanz. Weitere 400 Mill. Euro sind als nachrangiges Mezzanine-Kapital verbrieft, dessen erste Zins- und Tilgungszahlungen 2007 anstehen. „Das Unternehmen hat inzwischen ein Jahr Tilgungsvorsprung gegenüber dem Restrukturierungsplan“, lobt Brigitte Wendelin-Kellerer von der Ersten Bank. Die Frage ist nun, ob sich die Restrukturierung in Zukunft so fortsetzen lässt wie bisher.

Erste Indizien dafür lieferte das Jahr 2004. Einer Umsatzsteigerung um fünf Prozent auf 1,3 Mrd. Euro stand ein Zuwachs des Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um elf Prozent auf 136 Mill. Euro gegenüber. Damit lag der Konzern über den Erwartungen der Analysten. Für das laufende Jahr rechnet Tobias Winter von der Wiener Raiffeisen Centrobank mit einem Umsatzplus von zwölf Prozent.

Auf der Ergebnisseite können Anleger neben weiterem organischen Wachstum auch mit möglichen außerordentlichen Erträgen rechnen. Rund zehn Mill. Dollar verbuchte RHI im Januar, nachdem Chapter 11 bei der einstigen US-Tochter Halliburton abgeschlossen wurde. Weitere 60 Mill. Dollar könnten im Jahresverlauf hinzukommen, wenn gleiches bei Honeywell geschieht.

Noch ein weiterer großer Coup könnte in diesem Jahr die Phantasie der Anleger entfachen. Die Dämmstoffsparte Heraklith, die im vergangenen Jahr 14 Prozent zum Gesamtumsatz beigetragen hatte, soll voraussichtlich Mitte des Jahres verkauft werden. Damit könnte der größte Teil der verbliebenen Schulden abgebaut werden.

RHI konzentriert sich künftig ganz auf den Bereich Feuerfest-Materialien. Dabei geht es um keramische Produkte in Hochtemperaturkesseln, die zur Produktion von Stahl, Zement, Kupfer oder Glas notwendig sind. Vor allem in Fernost wächst die Nachfrage hierfür. Im Bereich Glasschmelze beispielsweise haben die Österreicher zuletzt neun von zwölf Ausschreibungen in China gewonnen. Analysten verbreiten deshalb trotz der noch immer hohen Schulden Optimismus. Zwischen 24 und 30 Euro liegen die Kursziele. Gestern kostete die Aktie 24,50 Euro.

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