Online-Lotterieanbieter gehört dem SDax an – Liberalisierung im deutschen Wettmarkt sorgt für Phantasie
Fluxx.com-Aktie ist kein Glücksspiel mehr

Viele Börsianer halten die Aktie des Online-Lotto-Anbieters Fluxx.com noch immer für Glücksspiel, doch die Realität sieht inzwischen anders aus. Nach einer rasanten Berg- und Talfahrt in den letzten zwei Jahren geht es für die Aktie seit vergangenem Sommer wieder steil nach oben.

FRANKFURT/M. Einst zu den Hochzeiten des Neuen Marktes im September 1999 zu 19 Euro an die Börse gekommen, stieg die Aktie ein halbes Jahr danach bis auf ihr Allzeithoch von 85,65 Euro. Zwei Jahre später war sie nur noch 0,49 Euro wert. Seit dem vergangenen Sommer geht es mit ihr wieder steil nach oben. Über sieben Euro ist sie inzwischen wieder wert. Und seit gestern gehört sie sogar dem Kleinwerteindex SDax an.

Als die Deutsche Börse Anfang März diese Entscheidung verkündete, löste sie bei Analysten wie Anke Platzek von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) gewisse Verwunderung aus. Schließlich war Fluxx.com mit seiner Aktie erst zu Jahresbeginn in den strenger reglementierten Prime Standard der Deutschen Börse gewechselt, der als Grundvoraussetzung für eine Indexaufnahme gilt. Bis dato hatte sie im General Standard ein relativ unbedeutendes Dasein gefristet.

Seither ist das Interesse an der Aktie deutlich gestiegen. Zu Gute kam ihr dabei der Fußball-Schiedsrichterskandal um Robert Hoyzer. Glücksspiel ist nun ein Dauerthema in der breiten Öffentlichkeit. Dabei bietet Fluxx.com gar keine Fußballwetten an, sondern setzt auf Lotto-Spielgemeinschaften und Pferdewetten über das Internet. Daneben nutzen Kunden wie Web.de, AOL, Freenet, Lycos, aber auch den Lottogesellschaften in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern als Lizenznehmer die Technologie-Plattform von Fluxx.com.

Das Thema Fußball könnte nach Ansicht von Jochen Reichert von SES Research erst im kommenden Jahr im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft aktuell werden. Dabei setzen viele Anleger bereits jetzt darauf, dass das Bundesverfassungsgericht (BVG) im Sommer eine Entscheidung zu Gunsten einer Liberalisierung und gegen das staatliche Monopol im Wettmarkt fällt. „Die Sportwette ist in Deutschland beispielsweise im Vergleich zu England noch unterentwickelt. Insofern lauert hier enormes Potenzial“, sagt Jochen Reichert.

Gleiches gilt für seit geraumer Zeit kursierenden Marktgerüchte über einen möglichen Einstieg von Fluxx.com in den stationären Vertrieb von Lotto. Das könnte beispielsweise durch Kooperationen mit dem Einzelhandel passieren. „Die Erschließung weiterer alternativer Vertriebswege könnte auf alle Fälle erhebliche Werteffekte auslösen“, sagt SES-Analyst Reichert. Solche Denkmodelle sind nach den jüngsten Kurszuwächsen von knapp 200 Prozent seit dem vergangenen Sommer auch dringend nötig, um neues Potenzial in der Aktie zu entdecken. Auf dem gegenwärtigen Niveau halten Analysten die Papiere für ausreichend gepreist. Jochen Reichert stuft sie deshalb als „Marketperformer“ ein, Ellis Acklin von First Berlin Equity Research mit „halten“.

Ändern könnte sich das allerdings bereits morgen, wenn Fluxx.com seine Zahlen für das abgelaufene und einen Ausblick auf das laufende Jahr bekannt geben will. Analystenschätzungen zufolge dürfte der Umsatz im Vergleich zum Jahr 2003 um 32 Prozent auf 17,7 Mill. Euro angewachsen sein. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll sogar um 150 Prozent auf eine Mill. Euro gestiegen sein. Im laufenden Jahr soll der Umsatz in einer ähnlichen Größenordnung steigen. Das Ebit könnte sich dann sogar fast vervierfachen.

Anleger sollten bei der Beurteilung der Aktie aber nicht nur die blanken Zahlen betrachten. Bereits drei Mal hat das Unternehmen seit dem vergangenen August eine ausgegebene Teilschuldverschreibung gewandelt. Die Aktienanzahl hat sich dadurch um 1,2 Mill. auf insgesamt 10,6 Mill. erhöht. Aber noch immer stehen 700 000 Wandelanleihen aus. Deren Wandlung dürfte nach Schätzung von Analysten ebenfalls schon bald anstehen, so dass eine weitere Verwässerung des Gewinns je Aktie droht.

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