Online-Unternehmen
Virtuelle Welt, reales Geld

Zur Weihnachtszeit machen die großen Online-Unternehmen gute Geschäfte. Aber ihre Aktien sind teuer.

FRANKFURT. Weihnachtszeit ist Geschenkezeit – und die wichtigste Phase des Jahres für Online-Händler und Hersteller beliebter Geschenke wie Computerspiele. Davon profitieren die Giganten, das Auktionshaus Ebay und der weltgrößte Online-Händler Amazon. Auch beim Weltmarktführer für Unterhaltungssoftware, Electronic Arts, sieht man sich „gut gerüstet“ für den Jahresendspurt.

Ob dies auch Anlegern nützt, ist nach Ansicht von Experten unsicher. „Für die hohen Wachstumsraten müssen Investoren auch eine hohe Prämie am Markt bezahlen“, sagt Analyst Bernd Köcher von der Deka. Eberhard Weinberger von der Vermögensverwaltung Dr. Jens Erhardt ist optimistischer: „Im Online-Handel steckt noch viel Potenzial.“ Schließlich verfüge die erste mit dem Internet groß gewordene Generation über immer mehr Einkommen. Forrester Research erwartet in den USA ein Jahreswachstum von 23 Prozent – und das auch noch für die kommenden zehn Jahre. In Deutschland sind die Zuwachsraten mit bis zu 40 Prozent noch höher.

Hoch sind aber auch die Bewertungen: Ebay wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 45 gehandelt, Amazon mit rund 60. Während man bei Amazon 2006 mit einer Nettomarge um die zwei Prozent rechnet, kommt Ebay auf über 30 Prozent. Ebay empfehlen 19 von 33 Banken daher zum Kauf, Amazon nur sechs von 28.

Mark Rowen von Prudential sieht Ebay auf einem guten Weg. Die Wachstumsperspektiven seien „robust“. Auch die über das Kerngeschäft Auktionswesen hinausgehenden Aktivitäten der Kalifornier finden Anklang. Booz Allen Hamilton rechnet mit hohen Profitchancen beim Internetbezahlsystem Paypal. Beim Internet-Telefonie-Service Skype steigen die Nutzerzahlen täglich. Mit Ebay Express, einer Plattform für gewerbliche Neuware zu Festpreisen, ist Ebay in Konkurrenz zu Amazon getreten.

Amazon wird bedrängt

Amazon wird kritischer gesehen. Zwar steigt der Umsatz jährlich um bis zu ein Drittel an. Die Gewinne halten aber längst nicht mit. Amazon wird von allen Seiten bedrängt. „Die Einzelhandelsunternehmen haben ihr Online-Angebot deutlich ausgebaut. Zudem gibt es – profitable – Nischenanbieter, etwa im Bereich Schmuck“, sagt Köcher. Um dem zu begegnen, weitet Amazon sein Angebot laufend aus. Dort kann man heute auch Autoteile erstehen. Das verursacht Kosten. Zudem stellt Amazon Konkurrenten Online-Handelsplattformen zur Verfügung. Dies sehen Experten aber positiv, da die Gebühren helfen, die Fixkosten zu decken.

Mit einigen seiner Projekte schießt Amazon-Chef Jeff Bezos nach dem Geschmack der Experten über das Ziel hinaus. Seit dem Sommer stellt Amazon gegen Entgelt Speicherplatz und Rechnerkapazitäten zur Verfügung, laut Bezos eine „Schlüsselsparte“. Analysten monieren die Kosten für hunderte neuer Techniker und zweifeln an nachhaltigen Ergebnisbeiträgen.

Optimistischer sehen die Fachleute Electronic Arts (EA). Zwar ist EA mit einem KGV von rund 95 sehr teuer. Nach drei Jahren mit stagnierenden Umsätzen und sinkenden Gewinnen dürfte es 2007 aber nach oben gehen. Das Unternehmen rechnet für die Branche in den kommenden Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten und will davon überproportional profitieren. Hintergrund ist die Einführung neuer Spielekonsolen. Analyst John McPeake von Prudential erwartet Rekordumsätze, vor allem mit Sport-Spielen.

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