Online-Werbung müsste stärker wachsen
Analysten halten T-Online für teuer

Unter den europäischen Internetwerten gilt die Aktie der T-Online International AG als erste Wahl. Darüber sind sich fast alle Analysten einig. Die Frage ist nur: Lohnt sich nach den massivem Kursgewinnen noch der Einstieg, oder hat die Aktie ihr Potenzial weitgehend ausgereizt?

FRANKFURT/M. Doch wie so oft im Leben gibt es für beide Meinungen gute Gründe. Vielleicht der wichtigste, um die künftige Entwicklung einzuschätzen: Das operative Geschäft von T-Online wächst, und das Unternehmen ist auf dem besten Weg, dauerhaft auch Nettogewinne einzufahren. Das Kerngeschäft besteht heute zum größten Teil darin, bei der Konzernmutter Deutsche Telekom Leitungskapazitäten für Datenübertragungen im Internet einzukaufen, und diese möglichst vollständig an Endnutzer weiterzuverkaufen.

In Europa ist T-Online mit Abstand nicht nur der größte Internetzugangsanbieter sondern auch gleichzeitig der größte Vermarkter von schnellen Internetzugängen auf Basis der DSL-Technik (Digital Subscriber Line).

Rund ein Viertel der 12,45 Millionen T-Online-Kunden nutzen bereits DSL-Zugänge für den Weg ins Internet. Doch alle zusätzlichen DSL-Kunden kann T-Online bislang mit denselben Vorleistungen ins Internet bringen, die sie ohnehin bereits bei der Telekom eingekauft hat. Daher wächst mit jedem neuen DSL-Kunden die Gewinnspanne – im Gegensatz zu ISDN-Internetkunden oder gar analogen Internetanschlüssen.

Bis Ende des Jahres werde die Zahl der T-Online-DSL-Nutzer „auf 3,8 Millionen steigen“, schätzt BNP- Paribas-Analystin Alexandra Lord. Auch für die Halbjahresergebnisse erwartet die Analystin positive Nachrichten und hat deshalb ihr Kursziel für die nächsten sechs Monate von neun auf elf Euro angehoben. Anlass für die überwiegend positiven Erwartungen der Analysten waren Äußerungen von T-Online-Finanzvorstand Rainer Beaujean, der eine „Anhebung der Ziele“ für das Gesamtjahr 2003 nicht mehr ausschließt. Derzeit geht T-Online für 2003 noch von einem Umsatz zwischen 1,9 Mrd. und 2,1 Mrd. Euro sowie einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen zwischen 180 Mill. und 210 Mill. Euro aus.

Und noch eine andere Spekulation regt die Phantasie der Anleger immer wieder aufs Neue: Die T-Online-Aktie ist ein regelmäßig gehandelter Kandidat für die Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax). Die Chancen einer Aufnahme haben sich weiter erhöht, nachdem die Deutsche Telekom Ende vergangen Jahres zum Schuldenabbau 120 Mill. T-OnlineAktien verkauft und sich damit der Anteil frei an der Börse handelbarer Aktien (Freefloat) auf 22,41 % erhöht hatte. Doch kurzfristig sollte darauf niemand spekulieren, denn die Aufnahme hängt von vielen Faktoren ab.

Für Stefan Borscheid, Analyst bei der Hypovereinsbank sind andere Faktoren für die Begründung seines Anlageurteils „Underperform“ (unterdurchschnittlich) wichtig. „T-Online ist ein solides Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten. Doch die Aktie ist auf dem gegenwärtigen Niveau zu teuer“, sagt Borscheid. Und auch die Analysten von AC Research sehen T-Online inzwischen „stattlich bewertet“. Kein Wunder, denn das Papier hat sich seit Jahresanfang von Kursen zwischen fünf und sechs Euro auf rund neun Euro verteuert.

Ein weiterer Wermutstropfen ist die derzeitige Schwäche des ansonsten margenstarken Portalgeschäfts mit Online-Werbung, E-Commerce und kostenpflichtigen Angeboten. Im ersten „Quartal stieg der Anteil des Zugangsgeschäfts am Gesamtumsatz auf 82,5 %. Dagegen sank der Anteil des Portal-Geschäft auf unter 20 %. Besonders der Bereich Online-Werbung entwickelt sich weniger dynamisch als vom Management ursprünglich angenommen.

Das Ziel, Ende 2004 rund jeden dritten Euro mit dem Portal zu verdienen, hat T-Online Chef Thomas Holtrop inzwischen aufgegeben. Doch gerade das Portalgeschäft muss das Wachstum tragen, wenn eines nicht mehr so fernen Tages der Markt für Internetzugänge gesättigt ist und die Preise sinken werden.

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