Pariser Flughäfen
Frankreich privatisiert

Frankreich setzt mit dem geplanten Börsengang der Pariser Flughäfen die Privatisierung von Staatsunternehmen fort. Der Gang auf das Parkett für die Betreibergesellschaft Aéroports de Paris (ADP) ist für Mitte Juni geplant.

PARIS. Durch die Teilprivatisierung von ADP, zu der unter anderem die Großflughäfen Roissy-Charles de Gaulle und Orly bei Paris gehören, erhofft sich die französische Regierung Einnahmen zwischen 617 und 800 Mill. Euro. Gleichzeitig soll eine Kapitalerhöhung um 600 Mill. Euro vorgenommen werden, teilte das Pariser Finanzministerium am Mittwoch mit. Damit hätte der Börsengang ein Volumen von 1,2 bis 1,4 Mrd. Euro und wird vermutlich der größte in diesem Jahr in Frankreich.

„Wir mussten die Aktien verkaufen“, sagte ADP-Chef Pierre Graff gestern in Paris. „Wir werden die Kapazität unserer Flughäfen ausbauen.“ Die Aktien werden institutionellen Anlegern für 42 bis 48,50 Euro angeboten. Privatanleger erhalten einen Rabatt von einem Euro. Der Flughafenbetreiber wird nach der Kapitalerhöhung mit rund 4,3 Mrd. Euro bewertet. Damit wird das Unternehmen etwas über dem Zehnfachen des für 2006 erwarteten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) eingeschätzt. Die Bewertung von ADP entspricht etwa dem Branchenschnitt, der bei 10,7 liegt. Die Zeichnungsfrist läuft am 14. Juni ab, ein Tag später soll der Ausgabepreis festgelegt werden. Der Handel beginnt laut Plan am 16. Juni.

ADP rechnet mit einem langfristigen Ebitda-Wachstum von 45 bis 50 Prozent bis zum Jahr 2010. Bis zu dem Zeitpunkt will ADP rund 100 Mill. Fluggäste jährlich abfertigen. Der Flughafenbetreiber möchte die Einnahmen zum Ausbau seiner Kapazitäten nutzen. Bis 2010 will der Betreiber 2,7 Mrd. Euro investieren, um seine Kapazität um rund 20 Mill. Passagiere zu erhöhen. Außerdem sollen die Geschäfte auf den Airports ausgebaut werden. Über die Pariser Großflughäfen reisten im vergangenen Jahr 78,7 Mill. Passagiere, ein Anstieg von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daneben gehören ADP der kleinere Pariser Flughafen Le Bourget sowie zehn Regionalairports.

Der Flughafen-Sektor ist zurzeit in Bewegung. Hauptkonkurrenten für ADP sind Fraport in Frankfurt und BAA in London. Beide sind bereits an der Börse. Der spanische Baukonzern Ferrovial will den Londoner Flughafen-Betreiber BAA (British Airport Authority) übernehmen. Das feindliche Angebot von umgerechnet 14,2 Mrd. Euro lehnte die BAA aber ab. Alle Flughäfen setzten auf Ausbau, um konkurrenzfähig zu bleiben. „Durch die Kapitalöffnung erhält auch ADP die Möglichkeit der Modernisierung“, erklärte Finanzminister Thierry Breton.

Der französische Staat wird nach dem Börsengang weiterhin noch zwischen 67,8 und 71,6 Prozent des ADP-Kapitals behalten. Frankreich will mit der Teilprivatisierung Schulden abzahlen. Die Regierung setzt damit ihre Politik der Privatisierung fort. Im vergangenen Jahr wurden bereits die Energiekonzerne EDF und GDF an die Börse gebracht. Auch drei Autobahngesellschaften wurden privatisiert. Geplant ist zudem ein Rückzug des Staates aus dem Industriekonzern Alstom.

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