PC-Hersteller achtet auf die Marge – Börse schraubt Erwartungen immer höher
An Dell gefällt Analysten die klare Gewinnorientierung

Selbst ein Rekordumsatz im abgelaufenen Quartal konnte die Anleger nicht versöhnlich stimmen. Doch der Pessimismus sei überhaupt nicht gerechtfertigt, sagen andere Experten. "Die Wall Street interpretiert Dells Prognosen einfach falsch", sagt Steven Fortuna von der Prudential Equity Group.

HOUSTON. Selbst ein Rekordumsatz im abgelaufenen Quartal konnte die Anleger nicht versöhnlich stimmen. Fast 13,5 Mrd. Dollar nahm der US-Computerbauer Dell ein - vor allem dank großer Zuwächse in Europa, Afrika und im Nahen Osten. Ein Kommentar von Dell-Chef Kevin Rollins machte die gute Stimmung allerdings gleich wieder zunichte: Für das laufende Quartal prognostizierte Rollins einen Umsatz von rund 13,4 Mrd. Dollar, und damit 100 Mill. Dollar weniger als Analysten erwartet hatten. Der Aktienkurs des größten PC-Herstellers der Welt fiel um etwa 5 Prozent, und Analyst Richard Gardner von Smith Barney stufte die Aktie umgehend von "kaufen" auf "halten" herab. "Der Markt erwartet von Dell eine perfekte Bilanz, und es gab diesmal einige Bereiche, die man als Abweichung von der Regel betrachten kann", sagte Richard Chu von SG Cowen der Nachrichtenagentur AP.

Doch der Pessimismus sei überhaupt nicht gerechtfertigt, sagen andere Experten. "Die Wall Street interpretiert Dells Prognosen einfach falsch", sagt Steven Fortuna von der Prudential Equity Group. "Anders als andere Unternehmen gibt Dell nämlich die gleichen Zahlen an die Wall Street, die dann tatsächlich auch intern als Wachstumsziel gelten. Deshalb ist es unangemessen zu erwarten, dass sie wiederum diese Prognosen ständig übererfüllen."

Seinen durchschlagenden Erfolg verdankt Dell dem Konzept, sämtliche Produkte direkt an den Kunden zu verkaufen, ohne den Umweg über Einzelhändler zu gehen. Außerdem produziert das Unternehmen nur auf Bestellung und kommt deshalb ohne Großlager aus, was die Kosten weiter drückt.

Den Erfolg von Dells Konkurrenten Apple, der vor wenigen Tagen einen Aktiensplit im Verhältnis 2:1 angekündigt hat, sehen die Experten gelassen. Megan Graham-Hackett von der Ratingagentur Standard & Poor?s bevorzugt die Dell-Aktie noch immer und bekräftigte ihre Empfehlung "starker Kauf" für die Texaner. "Der Absatz bei Apples Musikabspieler iPod hat möglicherweise inzwischen seinen Höhepunkt erreicht, während Dell weiterhin gute Zuwachsraten in Schlüsselbereichen aufweist", sagt Graham-Hackett. "Deshalb ist die Dell-Aktie aus unserer Sicht im Moment unterbewertet."

Die Analysten, die den Anlegern die Aktie zum Kauf empfehlen - und das ist nach einer Statistik des Finanzdienstes Thomson First Call mit 20 von 29 Urteilen die deutliche Mehrheit - empfinden es sogar als Vorteil, dass Dell beim Umsatz im Moment auf die Bremse tritt. Denn Vorstandschef Rollins erklärte bei der Bilanzlegung ausdrücklich: Das Unternehmen hätte im vergangenen Quartal mehr einnehmen können, wenn es bereit gewesen wäre, dafür niedrigere Margen in Kauf zu nehmen. Doch das Management entschied sich dagegen.

Analysten sind zufrieden mit dieser Entscheidung: Chris Whitmore von der Deutschen Bank nennt Dell "noch immer unsere Lieblingsinvestition im Bereich IT-Hardware" und rechnet in den nächsten zwölf Monaten mit einer Kurssteigerung auf etwa 48 Dollar. Verglichen mit dem aktuellen Preis von rund 40,50 Dollar wäre das ein Plus von 20 Prozent - und ein Plus von über 50 Prozent verglichen mit dem Zwölfmonatstief vor knapp einem Jahr. "Es ist schwer, Mängel in Dells Strategie oder in der Unternehmensführung zu finden, deshalb ist ein leicht niedrigerer Umsatz auch unter dem Strich nicht entscheidend", sagt Steven Milunovich von Merrill Lynch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%