Pharmabranche
Analysten stufen Sanofi reihenweise herunter

Der weltweit drittgrößte Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat bei der Zulassung seines Schlankheitsmittels Zimulti (das in Europa Acomplia heißt) in den USA einen Rückschlag erlitten: Übergewichtige, die das Mittel einnehmen, müssen mit erhöhtem Selbstmordrisiko leben. Die Reaktion der Börse ließ am Donnerstag nicht lange auf sich warten.

HB WASHINGTON. Ein Ausschuss der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA habe dem Schlankheitsmittel die Zustimmung im weltweit wichtigsten Pharmamarkt verweigert, teilte die Behörde am Mittwoch mit. An der Börse brach der Kurs der im Eurostoxx-50-Index notierten Aktie daraufhin um fast sieben Prozent auf 62,70 Euro ein. Nach früheren Aussagen hatte sich der Konzern von dem Mittel einen "Blockbuster-Umsatz", also einen jährlichen Spitzenumsatz von einer Milliarde Euro und mehr, versprochen.

Grund der klaren Ablehnung - der Ausschuss votierte 14-0 gegen die Zulassung - seien Befürchtungen, wonach das Mittel in der Anwendung für übergewichtige Patienten die Anzahl psychischer Störungen wie Selbstmordgedanken und Depressionen erhöhen könnte. In Europa ist das Mittel bereits zugelassen. In 18 Ländern wird es bereits verkauft. Bei Sanofi-Aventis war am Morgen niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Morgan Stanley, BNP und HSBC senken Kursziel

In Reaktion auf die Entscheidung senkte Morgan Stanley das Kursziel für den Pharmariesen von 86 auf 81 Euro. Die Entscheidung des Ausschusses sei zwar keine große Überraschung, baue aber dennoch Druck in der Aktie auf. Analyst Andrew Baum hatte bisher im Jahr 2010 einen Acomplia-Umsatz von 842 Mill. Euro erwartet. Die britische HSBC stufte die Aktien von "Overweight" auf "Neutral" ab und reduzierte das Kursziel von 80,00 auf 72,50 Euro.

Die Analysten von BNP Paribas reagiert ebenfalls mit einer Herabstufung sowie einer deutlichen Senkung des Kursziels. Man gehe nun von einem „Wort-Case-Szenario“ aus, hieß es. Dies bedeute, keine Umsätze mit „Acomplia“ in den USA und sehr viel schlechtere Aussichten für das Präparat in Europa. Nach Ansicht der Analysten wird Sanofi-Aventis kaum in der Lage sein, vor 2010 die von der FDA aufgeworfenen Fragen befriedigend zu beantworten. BNP stuft die Aktie nun mit „Neutral“ (nach „Outperform“) ein und nennt als Kursziel 70 (zuvor 80) Euro.

Mehrere Analysten hatten Acomplia als späteren Verkaufsschlager eingestuft. Am Donnerstag bezweifelten die Experten jedoch, dass das Schlankheitsmittel jemals in den USA verkauft wird. Auch halten sie es nach dem Votum der FDA für möglich, dass es auch vom europäischen Markt genommen wird.

Die Deutsche Bank senkte zwar das Kursziel von 76 auf 70 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Buy“. Die Zuversicht gründet sich auf eine Übernahme von Bristol-Myers Squibb. Societe Generale senkte die Einstufung auf „Hold“ (von „Buy“). ABN Amro empfiehlt aktuell „Sell“ (zuvor „Hold“).

Die FDA hält sich in der Regel an die Empfehlung der Expertenausschüsse. Eine endgültige Entscheidung über die Zulassung des Mittels will die FDA am 26. Juli fällen. Die Hoffnung auf den bisher erwarteten Milliardenumsatz könnte sich nach Einschätzung von Analysten nach einer endgültigen Ablehnung des Mittels in den USA zerschlagen.

Der französische Pharmakonzern hatte am Montag in Gesprächen mit der FDA ein erhöhtes Selbstmordrisiko bei der Einnahme des Anti-Fettleibigkeitsmittels Acomplia eingeräumt. Sanofi sprach sich gegen die Einnahme dieses Mittels aus, wenn die Patienten unter Depressionen oder ähnlichen Krankheiten leiden.

Die Pharmabranche sieht sich derzeit vor zahlreichen Herausforderungen: Kürzungen im Gesundheitswesen mit einer Erhöhung des Anteils an billigeren Nachahmermedikamenten und der Ablauf von Patenten für Medikamente mit einem Milliardenumsatz lasten auf der Branche. Dadurch werden nach Ansicht der Experten der Rating-Agentur Standard & Poor„s weitere Übernahmen wahrscheinlicher.

Sanofi-Aventis laufen auf neues Jahrestief zu

Sanofi-Aventis-Aktien sind am Donnerstag auf den niedrigsten Stand seit Anfang März gefallen. Die Aktie ist nurmehr knapp von einem neuen Jahrestief entfernt. Das bisherige Tief von 62,50 Euro datiert vom 1. März. „Die Analystenreaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen“, merkte ein Händler an. Die US-Gesundheitsbehörde setze ihre Strategie fort, Medikamente deutlich kritischer auf Nebenwirkungen zu prüfen und in Zweifelsfällen eher abzulehnen, sagte der Händler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%