Politische Risiken: Atom-Wende trifft Versorger-Aktien hart

Politische Risiken
Atom-Wende trifft Versorger-Aktien hart

Wer Aktien der großen Energieversorger hält, schläft derzeit nicht besonders gut: Eon und RWE sind die Verlierer der Atomwende. Hohe politische Risiken machen den Konzernen das Leben schwer. Analysten sind verunsichert.
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Frankfurt

Versorgeraktien stehen schon seit längerem nicht besonders hoch in der Gunst der Anleger, das Erdbeben in Japan hat diesen Trend noch verstärkt. Das beweisen die nackten Zahlen: Als im vergangenen Jahr der Dax um 16 Prozent zulegte, schafften Eon und RWE - die beiden Topaktien der Branche - nicht einmal ein leichtes Plus. Sie gehörten gar zu den wenigen Aktien, die am Jahresende verloren. Ähnliche Tendenz in diesem Jahr: Der Dax liegt nach den Krisen in Japan und Nordafrika seit Jahresanfang knapp zwei Prozent im Minus. Bei Eon ist der Kurs hingegen seither schon wieder um acht Prozent, bei RWE gar um mehr als zwölf Prozent gefallen.

An diesem Trend dürfte sich so bald nichts ändern, glauben Analysten. Von Nachholbedarf oder gar Unterbewertung spricht niemand. "Die politische Unsicherheit bleibt weiterhin hoch", sagt Alexander Karnick, Analyst der Deutschen Bank. Kaum einer kann sich deshalb zu einer Kaufempfehlung durchringen.

Dabei geht es nicht nur um die politischen Risiken in Deutschland nach der vorübergehenden Abschaltung von sieben Atomkraftwerken. Hier gehen die meisten Experten ohnehin davon aus, dass diese Meiler nicht mehr hochgefahren werden. Gegenwind kommt jetzt auch noch aus Großbritannien, einem Land, in dem der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Atomenergie traditionell geringer ist als in Deutschland. Insgesamt wollen Eon und RWE auf der Insel bis ins Jahr 2025 neue Kraftwerke mit einer Kapazität von sechs Gigawatt errichten. Bis zu 15 Milliarden Pfund will man dafür ausgeben.

Jetzt könnten die Großprojekte jedoch erst mal um drei bis sechs Monate verschoben werden, hieß es gestern. Die Sicherheitsüberprüfungen stehen derzeit selbst auf dem Prüfstand. Dass sie verschärft werden, steht nach den Ereignissen in Japan außer Frage.

Für Aktionäre sind das allesamt schlechte Nachrichten. Einer der wenigen Lichtblicke für die Eon- und RWE-Aktien sind die steigenden Strompreise, die die Konzerne wohl bald an die Kunden weitergeben werden. Die sollten die negativen Auswirkungen ausfallender Produktionskapazitäten mehr als wettmachen, glaubt Analyst Karnick.

Einen Schub nach oben wird dies beiden Aktien aber nicht versetzen. Bestenfalls führt es dazu, dass die Aktien in den kommenden Monaten auf niedrigem Niveau verharren werden. Denn auch mit einem weiteren Kursverfall rechnet kaum jemand. "Der denkbar ungünstigste Fall einer dauerhaften Abschaltung der Anlagen sowie höherer Investitionen in die Sicherheit der Meiler sind in den Bewertungsniveaus der deutschen Versorger inzwischen vollständig eingepreist", sagt Christopher Kuplent, Analyst bei der Bank of America Merrill Lynch.

Eines ist hingegen gewiss: Schwanken werden die Aktien der Versorger auch in den kommenden Monaten kräftig. Die nächsten Kurstreiber in Gestalt der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am kommenden Wochenende sind bereits in Sichtweite. Ein Regierungswechsel in Baden-Württemberg hin zu einer rot-grünen Koalition brächte den nächsten Kursrutsch. Ein deutlich rascherer Ausstieg aus der Kernenergie wäre speziell in diesem Bundesland, in dem besonders viele Atomkraftwerke stehen, die unmittelbare Folge. Ruhig wird es weder für Eon noch für RWE demnächst am Aktienmarkt.

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