Preisspanne im oberen Bereich
Open BC zeigt Ehrgeiz

Mangelnden Mut kann man dem Online-Kontaktnetz Open BC nicht nachsagen: Der Börsenkandidat präsentierte gestern eine Preisspanne im oberen Bereich der Erwartungen. 30 bis 38 Euro soll jede der rund 2,5 Mill. Aktien kosten, die das Hamburger Unternehmen bis Mittwoch anbietet.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das ergäbe eine Einnahme von 75 Mill. bis 95 Mill. Euro. Bei einem Streubesitz von 49 Prozent wäre Open BC insgesamt bis zu 200 Mill. Euro wert. Finanzexperten reagierten zurückhaltend auf das Angebot: „Angesichts des schwächeren Marktumfeldes und der Tatsache, dass sich das Unternehmen erst noch beweisen muss, halte ich die Preisspanne für ambitioniert“, sagte ein Fondsmanager. „Ich denke, dass man die Aktie günstiger bekommen wird, wenn es im nächsten Jahr zu Rückschlägen am Markt kommen sollte.“

Ein Problem ist die Größe des IPO. „Bei einem Emissionsvolumen unter 100 Mill. Euro ist Open BC für viele institutionelle Investoren uninteressant. Wichtig ist daher, wie das Unternehmen bei den privaten Anlegern ankommt“, sagt Raimund Saxinger, Fondsmanager bei Frankfurt Trust. Der Börsengang am Donnerstag wäre der erste IPO eines deutschen Web-Unternehmens seit den Zeiten des Neuen Marktes. Open BC aber unterscheidet eines von den Vorgängern aus der New Economy: schwarze Zahlen – wenn auch erst seit einem Quartal und wenn auch nur für das Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen). Für den Zeitraum Juli bis September weist OpenBC ein Ebitda von 487 000 Euro aus, bei einem Umsatz von 2,79 Mill. Euro. Der Jahresabschluss 2005/06 (30.6.) war nicht ganz so glänzend: Bei einem Umsatz von 5,99 Mill. lag das Ebitda bei minus 631 000 Euro.

OpenBC existiert seit drei Jahren. Für die einen ist die Netz-Plattform eine sich selbst aktualisierende Visitenkartensammlung, für andere ein Mittel zur Kontaktanbahnung oder ein Diskussionsforum. 1,48 Millionen Mitglieder gibt es derzeit, 13 Prozent sind bereit, für mehr Nutzungsmöglichkeiten 5,95 Euro monatlich zu zahlen. Auf Werbebanner verzichtet OpenBC, dessen Plattform seit kurzem Xing heißt. Das Mutterunternehmen bleibt bei dem Namen Open BC AG.

Hinter dem Netzwerk steht Lars Hinrichs. Der Sohn des Besitzers einer Bäckereikette war schon in den Zeiten der Dotcom-Blase präsent – erst mit der Info-Plattform Politik digital, dann mit der Unternehmensberatung Bötcher Hinrichs. Innerhalb eines Jahres verbrannte er 3,5 Mill. Euro Wagniskapital. „Meine Ausbildung war die New Economy“, sagte Hinrichs dem Handelsblatt-Podcast „Bel Etage“.

Trotz der Niederlagen fand Hinrichs Geldgeber, um einen neuen Versuch zu starten. Mit dem Geld aus dem Börsengang soll die internationale Expansion finanziert werden. Wird die Möglichkeit der Mehrzuteilung ausgeschöpft, gehen 53 Prozent der Einnahmen an Open BC, 47 Prozent an Altgesellschafter.

Das Konsortium aus Deutscher Bank, Lehman Brothers und LBBW ist optimistisch. Aus ihrem Umfeld erfuhr das Handelsblatt, dass die Banker mit massivem Wachstum kalkulieren. Der Umsatz wird im laufenden Geschäftsjahr mit 9,8 Mill. Euro angesetzt, zum 30.6.2008 sollen es schon 37 Mill. Euro sein. Parallel soll das Ebitda auf 27,4 Mill. Euro steigen, bei dann neun Millionen Mitgliedern. „Das Management macht einen kompetenten Eindruck, und die Wachstumsperspektiven für die Mitgliederzahlen sind realistisch“, sagt auch Fondsmanager Saxinger. „Entscheidend wird aber sein, wie viele der neuen Mitglieder auch zahlen werden.“

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