Preisverfall
K+S-Aktie bricht ein

Dass ein Dax-Konzern mehr als 20 Prozent verliert, sieht man nicht alle Tage. Heute ist so ein Tag. Die Aktie von K+S bricht ein, nachdem ein Konkurrent die Branche aufgeschreckt hat. K+S kann das nicht nachvollziehen.
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FrankfurtEs hat etwas von „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“. Ein Unternehmen warnt vor Dumping-Preisen – und löst damit einen beispiellosen Absturz aus, der die gesamte Branche für Düngemittel mitreißt. Davon ist auch K+S aus dem Dax betroffen. Die Aktie des Düngemittelherstellers fiel am Dienstag zeitweise um 27 Prozent. Am Ende des Tages lag die Aktie rund 24 Prozent im Minus auf 20,24 Euro. „Für K+S ist das eine Katastrophe, die Aktien will jetzt erst einmal keiner mehr haben“, sagte ein Börsianer.

Der Markt für Dünger beziehungsweise Kalisalze ist schon seit einiger Zeit unter Druck. Die Weltwirtschaft schwächelt, vor allem China und Indien wachsen nicht mehr in dem Tempo wie früher, damit sinkt auch die Nachfrage nach Produkten der Agrarindustrie. Der Kalipreis ist auf 400 Dollar je Tonne gefallen. Um dem Preisverfall etwas entgegen zu setzen, hatten sich verschiedene Düngemittelhersteller zusammengetan. Nun hat das russische Unternehmen Uralkali ein wichtiges Handelskonsortium aufgekündigt. Gleichzeitig prophezeiten die Russen einen weiteren drastischen Einbruch der Preise. „In der nächsten Zeit rechnen wir damit, dass der Wettbewerb stärker wird, das wird die Preise nach unten treiben“, sagte Vladislav Baumgertner, Chef von Uralkali, in einem Interview mit Reuters. „Die Kalipreise könnten bis auf 300 Dollar je Tonne fallen.“

Für einen schärferen Wettbewerb sorgen die Russen selbst, indem sie ihre Zusammenarbeit mit Belaruskali beenden. Uralkali und Belaruskali waren acht Jahrelang Partner im Gemeinschaftsunternehmen BPC, das für 43 Prozent der weltweiten Kali-Exporte stand. Daneben existiert noch das Bündnis Canpotex, das die nordamerikanischen Firmen Potash Corp, Mosaic und Agrium geschlossen haben. BPC und Canpotex bildeten faktisch ein Duopol, das die Preise auf den wichtigsten Märkten abstimmte. Das im Bergbau gewonnene Kali ist neben dem industriell hergestellten Stickstoffdünger ein wichtiger Bestandteil für die Düngung von Pflanzen.

Experten erwarten, dass sich die Unternehmen künftig mit Kampfpreisen unterbieten werden. „Es ist so, als würde Saudi Arabien aus der Opec austreten - die Ölpreise würden sofort fallen“, sagte Dmitry Ryzhkov, Analyst bei Renaissance Capital. Die genauen Gründe für den Rückzug nannte Baumgertner nicht. Er sprach nur von einer unerfreulichen Blockade. Zudem habe Belaruskali eine Reihe von Handelsabschlüssen außerhalb des Konsortiums vollzogen. Nach Informationen von Reuters wurde Belaruskali von diesem Schritt überrascht. Einen offiziellen Kommentar gab es von dem weißrussischen Unternehmen nicht.

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  • Wenn man eine Firma übernehmen will, muss man vorher den Wert der Firma senken. Ist doch logisch,

  • Ich stimme Ihnen gern zu: es ist ein Preiskartell geplatzt, das sich hinter dem neutralen Begriff "Verbund" verbarg. Darin wurden wohl die Marktpreise abgesprochen - anders lässt sich die Flucht der Anleger nicht erklären. Das Platzen von Preiskartellen ist immer ein guter Tag für das marktwirtschaftliche System und insbesondere die Verbraucher. Aus den Berichten der Medien kann abgeleitet werden, dass das Kartell platzte, weil Einzelinteressen der Profiteure weit über jene hinaus gingen, die mittels des gemeinsamen Kartells realisiert werden konnten. Die Aufsichtsbehörden sollten umgehend prüfen und sich auf den Wissensstand der umsichtigen Aktionäre bringen.

  • Ich freue mich auf den heutigen Short squeeze bei K + S. Der Kurs wird sich auf mindestens 25 Euro erholen. Das wird ein Schlachtfest für die shortenden Hedgefonds.

    Lustig wirds, wenn Uralkali seine gestrige Ankündigung aus der Telefonkonferenz als "Irrtum" relativiert.

    KSAG88

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