Private-Equity
Börsengang mit Fragezeichen

Der jahrelang erfolgsverwöhnten Private-Equity-Branche drohen angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten weitere Probleme. Gestern musste der Finanzinvestor Apax den Börsengang seines Portfoliounternehmens Tommy Hilfiger absagen. Man wolle vorerst abwarten, bis sich die Märkte wieder beruhigt hätten, hieß es zur Begründung.

FRANKFURT. Mit dieser Entscheiung zeichnet sich ab, dass die Branche vorerst immer weniger Möglichkeiten hat, aus ihren Investments auszusteigen ("Exit"). Der jahrelang erfolgsverwöhnten Private-Equity-Branche drohen angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten weitere Probleme. Gestern musste der Finanzinvestor Apax den Börsengang seines Portfoliounternehmens Tommy Hilfiger absagen. Man wolle vorerst abwarten, bis sich die Märkte wieder beruhigt hätten, hieß es zur Begründung. Damit zeichnet sich ab, dass die Branche vorerst immer weniger Möglichkeiten hat, aus ihren Investments auszusteigen ("Exit").

"Es ist viel zu viel Volatilität in den Märkten", sagte ein hochrangiger Private-Equity-Manager dem Handelsblatt. "Derzeit einen Börsengang anzuschieben, wäre Unfug." Das bedeute aber nicht, dass sich die Situation im Jahresverlauf nicht noch einmal ändern könne. "Sollte sich an den Aktienmärkten tatsächlich eine Situation wie in den Jahren 2001 und 2002 einstellen, dann werden die nächsten zwölf bis 18 Monate sicherlich keine Exit-Phase sein", fügte Peter Schwanitz, Partner beim Dachfonds-Anbieter VCM Capital Management in München, hinzu.

Apax hatte den früher börsennotierten US-Modekonzern Tommy Hilfiger 2005 für 1,6 Mrd. Dollar gekauft. Nun sollte er nach einer Neuausrichtung an die Amsterdamer Euronext gebracht werden. Medienberichten zufolge wurde dabei eine Mindestbewertung für Hilfiger von 2,5 Mrd. Dollar einschließlich der Schulden angestrebt.

Bislang hatten auch andere Häuser zuletzt für ihre Investments der vergangenen Jahre mit dem Gang an die Börse geliebäugelt. So wird beispielsweise über ein IPO ("Initial Public Offering") des Druckmaschinenherstellers MAN Roland spekuliert, der sich in den Händen von Allianz Capital Partners befindet. Weitere Kandidaten sind zudem der Modehersteller Tom Tailor von Alpha oder die HSH Nordbank, an der der Finanzinvestor JC Flowers beteiligt ist. Noch vor kurzem hatten Experten geschätzt, dass 2008 etwa gut die Hälfte der fünf bis zehn erwarteten Börsengänge über 500 Mill. Euro Volumen aus Private-Equity-Häusern kommt. Der drastische Einbruch der Börsen könnte diese Prognosen zu Makulatur gemacht haben.

Die Finanzinvestoren würde dies umso härter treffen, weil wegen der Kreditkrise bereits andere Exit-Kanäle eingefroren sind. Die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe sorgt dafür, dass Portfoliofirmen kaum noch über sogenannte "Secondaries" an andere Fonds weitergereicht werden. Wegen der bis vor kurzem noch äußert robusten Börsen hatten die Fonds aber auf IPOs spekuliert.

"Zumindest kurzfristig sind IPOs bei anhaltender Volatilität der Märkte ein Problem", sagt Private-Equity-Experte Stefan Hepp von der Beratungsfirma SCM Strategic Capital Management. Wer dennoch den Ausstieg wage, müsse vorerst wohl mit niedrigeren Bewertungen und damit sinkenden Fondsrenditen rechnen. Die meisten Fonds dürften aber versuchen, die Turbulenzen auszusitzen. "Private Equity Gesellschaften haben in den allermeisten Fällen keinen Druck, ihre Beteiligungen zum Verkauf zu stellen. Stattdessen werden wir bei schwächeren Märkten vermutlich wieder etwas längere Halteperioden sehen als bisher", sagt Achim Schäcker, der das Emissionsgeschäft bei Credit Suisse leitet.

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