Prognosen der Analysten haben sich bisher nicht erfüllt – Erwartungen inzwischen verhaltener
Yen-Aufwertung lässt auf sich warten

Die erwartete Aufwertung des Yens zum Dollar ist bislang ausgeblieben. Auch die zuletzt überwiegend erfreulichen Konjunkturdaten aus Japan vermochten nicht, den schon lang erwarteten Anstieg der japanischen Währung auszulösen. Nur für kurze Zeit sah es nach den schlechten Arbeitsmarktdaten aus den USA so aus, als würde der Yen kräftiger zulegen.

DÜSSELDORF. Gestern notierte die japanische Währung bei knapp 109,40 Yen zum Dollar und notiert damit deutlich schwächer als Analysten im Frühjahr erwartet hatten. Die Prognosen wurden inzwischen zurückgenommen.

Der Bank of Japan (BoJ) gefällt diese Entwicklung. „Obwohl es seit Mitte März keine offiziellen Interventionen am Devisenmarkt gab, hat der Dollar sich recht gut gegen den Yen behauptet“, sagte Toshihiko Fukui, Japans Notenbank-Gouverneur auf der Jahrestagung der World Federation of Exchanges in Tokio. Fukui führt dies auf die internationalen Kapitalströme nach Japan zurück, die wieder abgenommen haben. Anfang des Jahres hatte das große Interesse an den Finanzmärkten in Tokio zu großen Kapitalströmen ins Land und damit zu Yen-Käufen geführt. Japans Regierung hatte deshalb massiv interveniert und versucht, die Aufwertung der Landeswährung zu bremsen. Allein bis Mitte März wurden 15 Bill. Yen (rund 135 Mrd. Dollar) für Interventionen eingesetzt. Im gesamten Jahr 2003 hatte Japan bereits 20 Bill. Yen (rund 180 Mrd. Dollar) für Markteingriffe aufgewendet.

„Die Yen-Euphorie war zu früh“, sagt Dorothea Huttanus, Devisenexpertin der DZ Bank, mit Blick auf den anhaltenden Seitwärtstrend des Yens. Inzwischen seien die Erwartungen am Markt einer realistischeren Einschätzung gewichen. Auch reiche die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung nicht für neue starke Kapitalzuflüsse an die japanischen Finanzmärkte aus. Diese könnten dem Kurs des Yens erneut Auftrieb geben. „Doch die Kapitalflüsse sind bereits gelaufen“, sagt Huttanus. Bis Jahresende könnte der Yen zwar noch in Richtung auf 105 Yen gegen den Dollar zulegen. Danach sieht die DZ-Expertin allerdings eine erneute Abschwächung der japanischen Währung auf 115 Yen voraus.

Jesper Koll, Chefanalyst für Japan bei Merrill Lynch in Tokio, führt die relative Stärke des Dollars zudem auf das Verhalten der Lebensversicherer und Pensionskassen zurück. „Der Hauptgrund der Yen-Schwäche ist das wiedererwachte Interesse der japanischen Großanleger am US-Treasurymarkt“, sagt Koll. Auch andere Experten sind mit Vorhersagen inzwischen deutlich zurückhaltender geworden. Noch im Frühjahr hatten Analysten prognostiziert, dass die japanische Währung bis zum Sommer auf 100 bis 105 Yen je Dollar zulegen wird. Auf Drei-Monatssicht wird der Yen nun mehrheitlich bei 108 Yen gesehen. Dies ergab kürzlich eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

Etwas optimistischer sind die Analysten der WestLB. Zwar habe die konjunkturelle Erholung in Japan einen Dämpfer erhalten, doch der „Aufschwung bleibt intakt“, lautet der Ausblick in den Zins- und Währungsperspektiven. Auf Sicht von sechs Monaten prognostizieren die Analysten einen Dollar von 105 Yen. „Im kommenden Jahr dürfte sich dieser Trend noch weiter fortsetzen“, so die WestLB, die allgemein eine Abschwächung des Dollars erwartet. Auf Jahressicht erwartet sie 100 Yen zum Dollar.

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