Qualität
Analysten warnen vor Überhitzung

Das schwache Börsendebüt des US-Internettelefonie-Anbieters Vonage hat die Sorge verstärkt, dass der jüngste Emissionsboom in den USA seinen Zenit überschritten hat.

HB NEW YORK. Das schwache Börsendebüt des US-Internettelefonie-Anbieters Vonage hat die Sorge verstärkt, dass der jüngste Emissionsboom in den USA seinen Zenit überschritten hat. Die Vonage-Aktie fiel am ersten Handelstag um 13 Prozent. Damit war Vonage einer der enttäuschendsten Börsengänge seit Jahresbeginn. Dagegen lag gestern die Aktie des Kreditkarten- und Zahlungsabwicklers Mastercard in New York an ihrem ersten Handelstag zeitweise 14 Prozent im Plus. Mastercard hatte den Ausgabepreis mit 39 Dollar je Aktie allerdings unterhalb der zuvor angegebenen Bookbuilding-Spanne von 40 bis 43 Dollar festgelegt.

Seit Jahresbeginn bis Mittwoch verzeichnete der Datendienst Dealogic in den USA 90 Aktienemissionen, in die Anleger 16,5 Mrd. Dollar investierten – so viel wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Der Mastercard-Börsengang im Volumen von rund 2,8 Mrd. Dollar vom Donnerstag ist in den Dealogic-Zahlen noch nicht enthalten. Weltweit platzierten in diesem Jahr bereits 550 Unternehmen Aktien für 81,4 Mrd. Dollar. „Die hohen Bewertungen an den Börsen haben mehr Unternehmen angelockt“, sagt Analyst Ben Holmes vom US-Researchhaus Morningnotes.com mit Blick auf die Gesamtlage an den Aktienmärkten. Manche Experten kritisieren indes, dass sich immer mehr Börsenkandidaten fragwürdiger Qualität auf dem Parkett präsentierten. „Vonage ist, vereinfacht ausgedrückt, ein Stück Müll“, schimpft der ehemalige Hedge-Fonds-Manager und Börsenkommentator Jim Cramer in einer Online-Kolumne. „Genau so sahen die Unternehmen aus, die Ende 1999 und Anfang 2000 an die Börse kamen“, zieht Cramer eine Parallele zur Spätphase der Internet-Börsenhausse. Auf den damaligen Boom folgte ab Mitte 2000 eine jahrelange Baisse.

Vonage und seine Eigner sammelten am Mittwoch 531,3 Mill. Dollar ein, obwohl das Unternehmen in den roten Zahlen steckt und vorerst kein Ende der Verluste erwartet. Große US-Telefonkonzerne wie Verizon und AT&T sowie die Kabelfernsehriesen Time Warner Cable und Comcast machen Vonage mit eigenen Internettelefonie-Diensten zunehmend Konkurrenz. Sie könnten dem Pionier Vonage künftig Kunden abjagen, warnt Analyst Jon Arnold vom Researchdienst J. Arnold & Associates.

Kritik erntete auch die Schnellrestaurant-Kette Burger King, die vergangene Woche an die Börse kam. Das Unternehmen und seine Private-Equity-Eigner erzielten einen Emissionserlös von 488,8 Mill. Dollar. Doch das zuletzt schleppende Umsatzwachstum und der rückläufige Gewinn sorgten für einen schwachen ersten Handelstag mit einem vergleichsweise niedrigen Kursgewinn von 2,9 Prozent.

Nur wenige Börsendebütanten erlitten seit Jahresbeginn einen höheren Kursverlust am ersten Handelstag als Vonage. Den schlechtesten Auftakt erlebte der Verkehrsinformationsdienst Traffic.com, dessen Aktien am ersten Börsentag Ende Januar um 57 Prozent abstürzten.

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