Qualitätsaktien gefragt
Billig kaufen, teuer verkaufen? Das war einmal!

Lange haben Aktien keine so schlechte Rendite mehr geliefert wie im abgelaufenen Quartal. Und selten haben sich Investoren für eine überraschende und seltsam erscheinende Strategie entschieden. Welche Aktien sie kauften.

DüsseldorfQualität setzt sich durch, heißt es so schön. Und: Qualität hat ihren Preis. Beides trifft auch auf das Börsengeschehen der vergangenen Wochen zu. Denn Europas teuerste Aktien sind überraschend zu den sprichwörtlichen sicheren Häfen geworden. 

Das abgelaufene Quartal war nichts für Börsianer mit schwachen Nerven. Die Märkte weltweit fuhren Achterbahn - allerdings ging es öfter und vor allem stärker nach unten als nach oben. Es war das Quartal mit der höchsten Volatilität bei europäischen Aktien seit drei Jahren. Und es war das Quartal mit der schlechtesten Rendite seit vier Jahren. In diesem turbulenten Umfeld haben sich Investoren für eine seltsam erscheinende Strategie entschieden: Sie kaufen hoch bewertete Aktien.

Aber so seltsam ist das bei genauerem Hinschauen dann doch nicht. Denn sie setzen auf qualitativ hochwertige Konzerne. Unternehmen wie der Pharma-Riese Roche und der Kosmetik-Multi L’Oréal, die sich durch stabile Gewinne auszeichnen, wurden zuletzt gekauft, während Aktien wie die des Autokonzerns BMW und des norwegischen Öl- und Gaskonzerns Statoil verstärkt verkauft wurden. Natürlich ist letzteres auch eine Folge der Angst um Chinas Wirtschaftswachstum und des Volkswagen-Dramas (im Fall von BWM) und des extrem niedrigen Ölpreises (im Fall von Statoil).

Nichtsdestotrotz schlägt die Gruppe der Unternehmen mit den höchsten Börsenbewertungen derzeit einen Korb mit den günstigsten Werten so deutlich wie nie zuvor, wie Daten der US-Investmentbank Morgan Stanley und des Börseninformationsdienstes Bloomberg zeigen. Und das in einem eher durchwachsenden Marktumfeld mit seit Wochen stark fallenden Kursen.

Auch wenn es auf den ersten Blick kurios erscheint, dass Investoren eher zu hoch bewerteten Aktien greifen, anstatt günstige Werte einzusammeln, ist die Begründung für dieses Phänomen mehr als einleuchtend: Angesichts der Sorgen um eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaft und der möglichen Folgen für die Weltkonjunktur und der absehbaren Zinswende in den USA meiden Investoren zurzeit alles, was auch nur die geringsten Risiken birgt.

Sicherheit ist Trumpf und Qualitätsaktien bieten diese Sicherheit eher als andere Titel - hoher Preis hin oder her. Hinzu kommen Prognosen für ein schwächeres weltweites Wachstum, die einbrechenden Rohstoffpreise und niedrigere Prognosen für die Unternehmensgewinne.

Das alles hat die Gewinne des Stoxx Europe 600 Index, die zeitweise 21 Prozent erreicht hatten, zunichte gemacht. Gleichzeitig muss für Sicherheit ein höherer Aufschlag gezahlt werden. Davon würden die höher bewerteten Aktien profitieren, die als sicherer wahrgenommen werden würden, sagt Yves Maillot, Leiter europäische Aktieninvestments bei Natixis Asset Management in Paris. „Die Weltwirtschaft hat enttäuscht. Das hat viele Investoren überrascht und sie sind in die Defensive gegangen“, sagt er.

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