Quartalsbilanz
Analysten schätzen Xerox

Mit enttäuschenden Quartalszahlen und einer seit Jahren eher mittelmäßigen Leistung an der Börse liefert Xerox dem Markt nicht gerade den Stoff, aus dem Investorenträume sind. Trotzdem sagen mehrere Analysten der Kopiererfirma im Moment eine viel versprechende Zukunft voraus.

HOUSTON. „So gut wie im Moment war Xerox seit Jahren nicht mehr in Form. Der Kurs könnte um bis zu 45 Prozent in die Höhe schießen“, hieß es Ende April in der renommierten Finanzzeitung Barron’s. Dies heizte die Nachfrage an. Der Aktienkurs stieg in wenigen Tagen um fast fünf Prozent. Drei von zehn Analysten raten derzeit zum Kauf, sieben zum Halten der Aktie, ermittelt Thomson First Call.

Noch vor fünf Jahren sah die Zukunft für das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Connecticut düster aus. Ein Bilanzskandal, ein Ermittlungsverfahren der Börsenaufsicht SEC sowie ein riesiger Schuldenberg schreckten die Anleger ab. Doch Chefin Anne Mulcahy konnte das Ruder herumreißen und Xerox vor dem drohenden Bankrott bewahren. Auf der Liste der lukrativsten US-Firmen mit einer Frau an der Spitze steht Xerox inzwischen auf Platz vier.

Ein wichtiger Grund für den aktuellen Optimismus ist die zunehmende Verbreitung von digitalen Kopierern und Farbkopierern, die der Firma einen größeren Gewinn pro Seite einbringen als herkömmliche analoge Schwarz-Weiß-Kopien. „Die Zahl der Xerox-Maschinen, die zurzeit überall im Land im Einsatz sind, ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr“, lobt Jay Vleeschhouwer von Merrill Lynch. Der Umsatz könnte sich so um das Fünffache erhöhen, schätzen Experten. Als einer der größten Branchenvertreter im Druckbereich sollte Xerox von dieser Entwicklung ihrer Ansicht nach überdurchschnittlich profitieren.

Mehrere Faktoren sorgen für die wachsende Nachfrage: Erstens werden Farbkopierer insgesamt erschwinglicher, zweitens stellen viele Firmen zurzeit ihr Kopierverhalten um und verwenden beispielsweise in Pressemappen nur noch Farbkopien statt SchwarzWeiß-Abzügen, sagen Analysten. „Wir beobachten eine anhaltende Abwanderung fort von analogen und Schwarz-Weiß-Kopien, was für Xerox das Umsatzwachstum verbessern sollte“, sagt etwa Keith Bachman von Bank of America.

Auch die Spezialtinten-Produktion wird voraussichtlich von dem neuen Trend profitieren. Denn während für eine Schwarz-Weiß-Kopie nur etwa zehn Prozent der Papieroberfläche mit Tinte bedruckt werden müssen, sind es bei Farbkopien bis zu 80 Prozent. Schon jetzt erzielt Xerox fast drei Viertel des Firmenumsatzes durch den Verkauf von Tonern und Tinte sowie Serviceleistungen – Tendenz steigend. „In dem kommenden Vierteljahr sollte sich der Verkauf von Zubehör weiter verbessern“, erwartet Analystin Caroline Sabbagha von Lehman Brothers, die die Aktie zum Kauf empfiehlt.

Im Ergebnis spiegeln sich die guten Nachrichten allerdings bislang noch nicht wider. Ende April legte die Geschäftsführung eine Quartalsbilanz vor, die sowohl den Markt als auch die Analysten frustrierten: Minus fünf Prozent beim Nettoeinkommen, steigende Unternehmenskosten, sinkende Gewinnmargen. „Ein schlicht enttäuschendes Quartal“, urteilt Caroline Sabbagha. „Andererseits sehen die Erwartungen für den Rest des Jahres besser aus.“

Im Vergleich zu den Rivalen ist der Xerox-Aktienpreis günstig, sagen die Experten. „Wir rechnen damit, dass der Kurs innerhalb von zwölf Monaten auf 18 Dollar steigen wird“, erklärt Jay Vleeschhouwer. Das würde ein Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem jetzigen Stand und ein neues Sechsjahreshoch bedeuten.

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