Rätselraten über die Höhe der russischen Bestände löst heftige Spekulationen aus – Weitere Verteuerung möglich
Palladium wird deutlich teurer

Der Preis für das Edelmetall Palladium ist in dieser Woche bereits um 14 Prozent gestiegen. Auslöser dafür war ein Dekret des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die seit Jahrzehnten geltende Geheimhaltungspflicht der heimischen Bestände aufzuheben.

LONDON. Die darauf einsetzenden Spekulationen, dass die russischen Bestände wahrscheinlich geringer sind als bisher angenommen, katapultierte den Palladiumpreis vorübergehend auf 208 Dollar je Unze und damit auf den höchsten Stand seit vergangenem November. Die Russen decken etwa zwei Drittel des weltweiten Palladiumbedarfs. Ralph D´Esposito von RJ Futures in New York hält kurzfristig 230 Dollar je Unze für realistisch. Mittelfristig erwarten Charttechniker Notierungen zwischen 328 und 332 Dollar.

Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen. Kevin Norrish von Barclays Capital, verweist etwa auf das grundlegende Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. „Nach bereits vier Jahren erheblicher Überschüsse droht auch 2005 ein erheblicher Produktionsüberschuss“, argumentiert er. So setze Südafrika den um die Jahrtausendwende gestarteten Ausbau seiner Kapazitäten weiter fort. Die Produktion dort dürfte 2007 um 50 Prozent höher liegen als noch 2001.

Manche der Spekulanten an den Märkten in Tokio, New York und London schreckt das nicht. Sie suchen – angetrieben von Enttäuschungen an den Börsen, der anhaltenden Dollarschwäche und niedrigen Zinssätzen – nach neuen Anlageobjekten. Und bei den bereits hohen Preisen für die Industriemetalle, so Londoner Analysten, biete sich jetzt offenbar Palladium als „Nachzügler“ mit Aufholpotenzial an. Schließlich sei das Schwestermetall Platin mit derzeit über 870 Dollar je Unze etwa viermal so teuer wie Palladium. Die Palladium-Investoren begründen ihre Preiserwartungen auch mit der künftig noch größeren Verwendung des Edelmetalls in Katalysatoren. Schon jetzt gehen 60 Prozent des Angebots in diesen Bereich. Demnächst wird Palladium erstmals Platin im Verhältnis von eins zu drei in Katalysatoren für Dieselmotoren beigemischt. Damit werde das Metall an dem überdurchschnittlichen Wachstum dieses Sektors teilhaben, sagen Analysten.

2001/2002 hatte Palladium dagegen noch erhebliche Marktanteile an Platin verloren, weil lang anhaltende, bürokratisch bedingte Lieferausfälle aus Russland den Preis vorübergehend auf über 1100 Dollar je Unze in die Höhe getrieben hatten. Dagegen ist nach Einschätzung von Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt der Palladiumpreis gegenwärtig verhältnismäßig niedrig. Hinter dem jetzigen Preisanstieg sieht er nicht nur Spekulanten, sondern auch die Nachfrage von Verarbeitern.

Der zweitwichtigste Abnehmer des Metalls ist die Elektroindustrie. Auch hier nimmt die Nachfrage zu. In der Dentalbranche stagniert sie dagegen. Allerdings haben die Chinesen Schmuck aus Palladium entdeckt. Dadurch verdreifachte sich 2004 die für die Schmuckverarbeitung verwendete Menge an Palladium von 250 000 auf 750 000 Unzen und erreichte damit über elf Prozent des Gesamtverbrauchs des Metalls.

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