Raueres Klima für Neuemissionen
ItN verschiebt Börsengang auf unbestimmte Zeit

Der Beschichtungs-Spezialist ItN Nanovation hat seinen Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben. „Wir verkaufen uns nicht unter Wert“, sagte Firmenchef Tillmann Lauk am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Er begründete die Entscheidung mit dem schlechten Kapitalmarktumfeld.

HB FRANKFURT. Den neuen Termin für den Börsengang seines Unternehmens halte er sich offen. Sobald sich die Kurse an den Aktienmärkten fundamental erholten, werde ItN den Schritt wagen.

ItN hatte am Freitag die Bekanntgabe seiner Zeichnungsspanne verschoben und damit die ursprünglich für den 22. Juni geplante Erstnotiz im stark regulierten Börsensegment Prime Standard in Frage gestellt.

„Die besten Zeiten für Neuemissionen sind erst einmal vorbei“, sagte Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Händler Stefan Chmielewski vom Brokerhaus Lang & Schwarz sprach von einem übersättigten Markt. „Außerdem ist bei den jüngsten Börsengängen nicht alles optimal gelaufen“, ergänzte er. Die Aktien der Fluggesellschaft Air Berlin, die im Mai ebenfalls zu einem reduzierten Preis debütiert hatten, notieren mittlerweile 22 Prozent unter ihren Ausgabekurs von zwölf Euro. Die Papiere des Software-Herstellers Magix brachen seit April sogar um mehr als die Hälfte ein.

„Der IPO-Markt wird aber nicht zusammenbrechen“, betonte dit-Fondsmanager Matthias Born. „Einige Unternehmen mit solidem Geschäftsmodell werden sicher durchkommen. Der Börsengang von Bauer sieht beispielsweise interessant aus.“ Der Tiefbau- und Maschinenbaukonzern will am 4. Juli den Sprung auf das Parkett wagen.

Trotz der Preissenkung blieb das Interesse der Anleger an den Demag-Papieren gering. Im Graumarkt lagen die Papiere mit 21,50 Euro unter der neuen Offerte von 22 Euro. Zuvor sollten sie 26 bis 31 Euro kosten.

Eine Absage des Demag-Börsengangs bezeichnete Händler Chmielewski allerdings als wenig wahrscheinlich. „Wenn man sich zu so einem Schritt entscheidet, sollte man sicher sein, dass die Bücher zu diesem neuen Preis auch gefüllt sind.“ Eine mit der Transaktion vertraute Person äußerte sich zuversichtlich, dass Demag ausreichend Investoren findet. Stratege Klude äußerte sich zurückhaltender: „Die Banken werden alles daransetzen, dass Demag an die Börse geht. Ich glaube aber nicht, dass schon alles in völlig trockenen Tüchern ist.“

Wenn Demag mit drei Tagen Verspätung am 23. Juni auf dem Kurszettel des stark regulierten Börsensegments Prime Standard erscheint, ist das Debüt für die Alteigentümer mit Einbußen in dreistelliger Millionenhöhe verbunden. Demag reduzierte neben dem Preis auch noch die Zahl der angebotenen Aktien auf 12,3 von zuvor knapp 15 Millionen. Damit schrumpft der Emissionserlös, der komplett in die Taschen des Finanzinvestors KKR und des Technologiekonzerns Siemens fließt, auf 271 von zuvor maximal 463,5 Millionen Euro. Demag bleibt dennoch einer der größeren Börsengänge in diesem Jahr.

Artec und ItN zogen ebenfalls die Konsequenzen aus dem rauer gewordenen Klima für Neuemissionen. Artec senkte die Preisspanne für seine Aktien auf fünf bis sieben von zuvor sieben bis neun Euro. Damit verringert sich das Emissionsvolumen auf 5,2 von 6,7 Millionen Euro. Auch hier verschiebt sich die Erstnotiz um voraussichtlich drei Tage, auf den 30. Juni. Die Papiere sollen im schwach regulierten Entry Standard gelistet werden. ItN will vorerst überhaupt nicht mehr an die Börse gehen.

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