Regierung gibt 30 Prozent an der PKO ab und baut mit dem Erlös die Staatsverschuldung ab
Polens größte Bank geht an die Börse

Polen steht vor der größten Bankenprivatisierung seit Beginn der marktwirtschaftlichen Reformen vor 15 Jahren. In der ersten Novemberhälfte sollen 30 Prozent der Anteile der staatlichen Bank PKO BP an die Warschauer Börse gebracht werden, kündigte PKO-Präsident Andrzej Podsiadlo an.

rev WARSCHAU. Schatzminister Jacek Socha erwartet einen Privatisierungserlös von fünf bis sechs Mrd. Zloty (bis zu 1,3 Mrd. Euro) für den Staatshaushalt. Die Staatliche Wertpapierkommission wird am 31. August über den Emissionsprospekt der Bank und damit auch über den Aktienpreis entscheiden.

Mit einer Bilanzsumme von 87,1 Mrd. Zloty (Ende Juni 2004) und Eigenmitteln von 7,2 Mrd. Zloty ist die PKO die größte Bank Polens und auch eines der wichtigsten Institute in ganz Mittel- und Osteuropa. Ihre Stärke ist das Privatkundengeschäft. Sie führt über fünf Mill. Privatkonten und ist mit einem Anteil von 33 Prozent unangefochten Marktführer in diesem Segment. In den 1 800 Filialen der PKO arbeiten knapp 36 000 Angestellte. Auch mit ihren 1 800 Bankomaten ist sie Spitzenreiter in Polen.

Aus dem Bericht der PKO für das erste Halbjahr geht hervor, dass sie in diesem Zeitraum einen Nettoertrag von 844 Mill. Zloty erwirtschaftet hat – ein Zuwachs von gut 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, für das Gesamtjahr erwartet PKO-Chef Podsiadlo ein Ergebnis in ähnlicher Höhe. Außerdem berichtete er, der Anteil notleidender Kredite sei von 12,3 auf 10,6 Prozent zurückgegangen.

Für die polnische Linksregierung von Premier Marek Belka ist die PKO-Privatisierung ein wichtiges Instrument zur Sanierung des Staatshaushalts. Schatzminister Socha rechnet in diesem Jahr mit Privatisierungseinnahmen von insgesamt 8,8 Mrd. Zloty. Die Regierung ist dringend auf solche Zuflüsse angewiesen, da das Defizit im Staatsbudget inzwischen auf die stolze Summe von 5,7 Prozent angewachsen ist. Der Präsident der Polnischen Nationalbank, Leszek Balcerowicz, verwies vor wenigen Tagen erneut auf die Gefahr, dass die gesamte öffentliche Verschuldung Polens in diesem Jahr 55 Prozent und im kommenden Jahr sogar 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts erreichen könne. Bei Überschreiten der Sechzig-Prozent-Hürde wäre die Regierung im folgenden Jahr laut Verfassung gezwungen, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das ließe keinen Spielraum für Investitionen und Sozialpolitik.

Socha kündigte an, der Staat wolle vorerst auf jeden Fall mindestens 51 Prozent an der PKO behalten. Allerdings erwarten Analysten, dass die Regierung in den nächsten Jahren gezwungen sein werde, einen strategischen Investor aus dem Westen für die Bank zu suchen. Die PKO brauche mehr Kapital und mehr Know-how, um längerfristig auf dem europäischen Binnenmarkt bestehen zu können.

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