Rekord-Börsendebüt
Standard Life wird Aktiengesellschaft

Der Weg für das größte britische Börsendebüt seit fünf Jahren ist frei. Die Mitglieder des schottischen Versicherungsvereins Standard Life haben gestern auf einer außerordentlichen Versammlung mit großer Mehrheit für die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft gestimmt.

dih EDINBURGH. Damit kann der Lebensversicherer seinen geplanten Börsengang im Juli in Angriff nehmen. Standard Life will Aktien für rund 1,1 Mrd. Pfund (1,6 Mrd. Euro) aus einer Kapitalerhöhung auf den Markt bringen.

98 Prozent der versammelten Mitglieder stimmten in Edinburgh der Umwandlung zu. Eine Dreiviertelmehrheit hätte dem Vorstand unter Leitung von Sandy Crombie genügt. Jedes Mitglied wird vom Börsengang Schätzungen zufolge durch eine Ausschüttung von 1 700 Pfund profitieren. Mit einer voraussichtlichen Bewertung von 4,8 Mrd. bis 5,5 Mrd. Pfund würde Standard Life der fünftgrößte börsennotierte Versicherer des Landes.

Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen haben jedoch in der City erste Zweifel aufkeimen lassen, ob Standard Life an dem sommerlichen Börsendebüt festhalten wird. „Mich interessieren nicht die heutigen Marktverhältnisse“, beteuerte Crombie am Abend vor der Versammlung, „mich interessiert, was mir die Anleger im Juni auf unserer Roadshow sagen.“ Wenn er dort nicht genug Unterstützung erfahre, werde er über eine Verschiebung nachdenken.

Standard Life will die Aktien zum Stückpreis von 240 bis 290 Pence verkaufen. Doch auch diese Preisspanne könne noch verändert werden, sagte Crombie.

Der Beschluss der Versammlung ist ein tiefer Einschnitt in der 181-jährigen Geschichte von Standard Life. Als einer der letzten britischen Versicherungsvereine beschreiten die Schotten nun den Weg der „Demutualisierung“, wie die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Fachjargon heißt. Die rund 2,4 Millionen Mitglieder, von denen mehr als 1,5 Millionen per Brief oder auf der Versammlung abstimmten, haben Policen mit Überschussbeteiligung abgeschlossen, mit denen sie am Risiko wie am Gewinn der Gesellschaft teilhaben. Doch diese Policen werden immer unpopulärer: Sieben Millionen Kunden sind bei Standard Life mit herkömmlichen Policen versichert, so dass das Risiko für das einzelne Mitglied wächst. Zugleich musste das Unternehmen neue Kapitalquellen finden, um sein Wachstum zu finanzieren.

Crombie ist es gelungen, den harten Widerstand der Mitglieder gegen die Umwandlung zu brechen. Noch 2000 hatte Standard Life zehn Millionen Pfund ausgegeben, um sich gegen eine Kampagne pro Demutualisierung zu wehren. Damals hätte der Schritt jedem Mitglied noch das Vielfache eingebracht.

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