Rekordergebnis verpufft: Anleger verlieren die Lust auf Springer

Rekordergebnis verpufft
Anleger verlieren die Lust auf Springer

Trotz Rekordergebnis enttäuscht die Bilanz von Medienkonzern Springer die Anleger. Die Aktie verliert fast sieben Prozent. Was bei Springer schief läuft.
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Gut ist für Anleger nicht immer gut. Diese Erfahrung machte am Dienstag Axel Springer. Der Medienkonzern Axel Springer stellte seine Bilanz für 2010 vor und auf den ersten Blick wirkten die Zahlen überzeugend. Dank seiner Internetangebote und seines verstärkten Engagements im Ausland hat Springer operativ so viel verdient wie noch nie. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) steht ein Gewinn von 510,6 Millionen Euro in den Büchern. Das waren 53 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Anleger hatten aber mehr erwartet. Der Kurs der Aktie fiel in der Spitze um mehr als sieben Prozent und lag am Nachmittag bei 112,75 Euro sechs Prozent im Minus. Es war der stärkste Kursverlust für die Springer-Aktie seit zwei Jahren, im MDax war das Papier damit Schlusslicht. Und das, obwohl der Konzern für 2010 eine Rekorddividende in Höhe von 4,80 Euro zahlt. Viele seien von den Zahlen nicht überzeugt und vermissten einen Ausblick, erklärte ein Händler.

Zu zurückhaltend war Springer aus Sicht der Börse. Trotz prall gefüllter Kassen scheut der Konzern große Zukäufe. Zu Berichten, Springer habe erneut ein Kaufinteresse an ProSiebenSat.1, sagte Konzernchef Mathias Döpfner „Fernsehen, das wollten wir mal vor fünf Jahren“. Damals sei die Übernahme des Münchener Fernsehkonzerns nicht genehmigt worden. „Wir konzentrieren uns ganz auf die Digitalisierung.“  

In diesem Bereich will das Berliner Verlagshaus nach der Mehrheitsübernahme der französischen Online-Immobilienseite Seloger.com auch in den nächsten Monaten Investitionsgelegenheiten nutzen. Allerdings nicht um jeden Preis. Nur weil die Kassen gefüllt sind, das Geld zum Fenster rauswerfen und überteuerte Investitionen machen, wäre das Schlimmste, was man machen könne, sagte der Springer-Chef. Auch ohne Zukäufe rechne er für das laufende Jahr mit steigenden Umsätzen und einem höheren Ergebnis, kündigte er an.

Leicht schlechtere Ergebnisse, keine hehren Zukunftspläne: Vielen Anlegern fehlt bei Springer die Phantasie.    

Anders sehen es die Analysten. Sie raten fast einhellig zum Kauf der Springer-Aktien. Der Konzern habe zwar seine Gewinnschätzungen verfehlt, schrieb etwa Dirk Voigtländer von der Commerzbank. Axel Springer befinde sich aber insgesamt auf einem guten Weg, um die mittelfristigen Ziele zu erreichen. Zudem werde das Wachstumspotenzial in der aktuellen Bewertung nicht widergespiegelt. Daher rate er weiterhin zum Kauf des Papiers.

Ähnlich argumentieren die Experten von M.M. Warburg: Die Unternehmensprognosen für 2011 seien zu vorsichtig, meinen sie. Die jüngst deutlichen Kursverluste eröffneten aber eine gute Kaufgelegenheit.

Verglichen mit den vorausgegangenen Kursgewinnen waren die jüngsten Verluste bei Springer allerdings moderat: Dem Minus von neun Prozent in den vergangenen Wochen war ein Anstieg von 45 Euro auf in der Spitze mehr als 125 Euro vorausgegangen.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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