Rezessionsauswirkungen schlagen durch
BASF zieht Chemiewerte nach unten

Zu den größten Verlierern zählen an den europäischen Börsen aktuell Chemieaktien, die als konjunktursensitiv gelten. Damit ist die Finanzkrise auch in der Branche angekommen, die vor Wochen wegen einiger gut laufender Teilbereiche wie Pharma oder Pflanzenschutz noch Zuversicht ausstrahlte.

fgh DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Aktien des Chemiegiganten BASF sind am Mittwoch nach einer Gewinnwarnung abgestürzt - und haben europaweit andere Branchentitel mit in die Tiefe gezogen. BASF-Aktien stürzten um 16 Prozent auf 21,35 Euro ab und trugen damit etwa ein Viertel zu den rund 180 Minuspunkten im Dax bei. Der weltgrößte Chemiekonzern senkte wegen des Konjunktureinbruchs erneut seine Gewinnprognose und will weltweit rund 80 Anlagen vorübergehend außer Betrieb nehmen. Der Konzern werde dieses Jahr den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie vor Sondereinflüssen des Vorjahres nicht mehr erreichen.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu BASF.

Chemiefirmen spiegeln in ihren Geschäften wie kein anderer Industriezweig Konjunkturschwankungen wider, da sie sämtliche Branchen mit ihren Produkten beliefern. Auch die US-Konzerne DuPont und Celanese sowie das niederländische Chemieunternehmen DSM hatten wegen der deutlichen Konjunkturabkühlung ihren Geschäftsausblick für 2008 revidiert. "Die Gewinnwarnung kam völlig überraschend, nachdem BASF gerade erst noch für viel Geld Ciba gekauft hat", sagte ein Frankfurter Aktienhändler heute. "Erst die Banken, dann die Autohersteller und Zulieferer und jetzt die Chemie. Von der globalen Rezession werden alle betroffen sein", sagte ein anderer Händler. Wer die Autoindustrie und den Bausektor bedient, womöglich sogar besonders stark in Nordamerika engagiert ist, klagt jetzt ebenso über plötzlich ausbleibende Aufträge wie die meisten Kunststoff- und Lack-Hersteller.

Die Chemieindustrie, wegen ihrer Rolle als Vorlieferant bislang konjunktureller Frühindikator, besitzt offenbar immer weniger Vorhersagekraft für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. BASF-Chef Hambrecht macht dafür vor allem die Globalisierung und die starke Fragmentierung der Branche verantwortlich. So waren die deutschen Unternehmen wegen einiger gut laufender Teilbereiche wie Pharma oder Pflanzenschutz lange Zeit noch zuversichtlich, als andere Branchen schon über Absatzprobleme klagten. Doch inzwischen musste auch Chemieverbands-Chef Ulrich Lehner einräumen, dass die weltweite Abschwächung der Konjunktur die hiesige Branche in weiten Teilen spürbar erfasst hat.

Dagegen haben sich einige Spezialchemiehersteller, die weniger konjunkturabhängige Kunden aus der Pharma-, Agro-, Kosmetik- oder Ernährungsindustrie beliefern, ihre Zuversicht bislang noch bewahrt. Richtig schwarz sieht die Zukunft indes bei der Petrochemie aus. Hier werden 2009 ungewöhnlich viele neue Anlagen im Mittleren Osten ihre Produktion aufnehmen und für ein großes Überangebot an chemischen Basisprodukten sorgen.

Aktien der Wettbewerber Lanxess, DSM (minus acht Prozent), Bayer und Akzo Nobel in Amsterdam wurden von der Schwäche der BASF-Aktie angesteckt, auch die Analysten reagierten. So kündigte die WestLB an, ihr Kursziel 32,60 Euro undd die Einstufung "Buy" für Lanxess zu überprüfen. Der Spezialchemiekonzern rechnet aktuell wegen der Krise in der Autoindustrie mit schwächeren Geschäftsaktivitäten. Lanxess schließt Personalmaßnahmen und auch Produktionskürzungen nicht mehr aus. Die Aktie sehe auch aus technischer Sicht verwundbar aus und dürfte weiter unter Druck stehengeraten, sagte ein Aktienhändler.

Analyst Martin Rödiger vom Broker Cheuvreux hat seine Einstufung für BASF auf "Underperform" mit einem Kursziel von 21 Euro belassen. Equinet-Analyst Oliver Schwarz senkte kürzlich sein Kursziel von 45 auf 32 Euro ließ die Aktie aber auf "Buy". Aus seiner Sicht war schon Anfang November die Geschäftsprognose des Managements eine wirklich negative Nachricht: Es sei nun klar, dass selbst das verringerte Ziel schwer zu erreichen sei. Eine rasche Besserung der Geschäftslage erwartet derezit niemand: „Wir rechnen wegen der geringeren Anlagenauslastung und Überkapazitäten im Markt mit erheblichem Druck auf die Gewinnmargen“, kommentierte das Bankhaus Merck Finck heute.

Auch Bayer hatte angesichts der Krise der Automobilindustrie gestern gewarnt, die Kunststoffsparte Material Science mit einem schwächeren Geschäft. "Wir gehen davon aus, dass unser Ergebnis im vierten Quartal im Vergleich zum dritten rückläufig sein wird", sagte ein Sprecher der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Die Henkel-Aktie, die am Mittwoch rund sechs Prozent schwächer bei 20,59 Euro notiert, wird von Merrill Lynch aktuell unverändert mit "neutral" eingestuft. Die Analysten gehen davon aus, dass die Margen der Düsseldorfer 2009 zunächst auf unter zehn Prozent sinken. Als Kursziel werden 24,50 Euro genannt.

Die Commerzbank senkt derweil ihr Kursziel für Wacker Chemie von 95 auf 72 Euro und ließ die Empfehlung bei Hold". Analyst Robert Schramm schreibt, nach den Gewinnwarnungen der Konkurrenz habe er nun auch seine Prognose für den Gewinn je Aktie für 2009 um 30 Prozent reduziert.

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