RIM-Aktie
Das 20-Milliardendesaster für die Aktionäre

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) hat den Anschluss an die Konkurrenz verpasst. Die Aktionäre müssen herbe Kursverluste verkraften. Und die Talfahrt könnte noch weitergehen.

DüsseldorfHerbe Verluste an der Börse, geringe Gewinnprognosen und jetzt noch ein technischer Fehler, der viele Blackberry-Kunden drei Tagen lang von der Außenwelt abgeschnitten hat. Für den Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) wird es eng.

Seit Jahresbeginn hat die RIM-Aktie fast 60 Prozent an Wert eingebüßt. Die Anteilseigner des kanadischen Smartphone-Herstellers verloren fast 20 Milliarden Dollar. Beim aktuellen Kurs von knapp 24 Dollar kommt RIM auf Basis der für dieses Jahr erwarteten Gewinne gerade noch auf ein Kurs-Gewin-Verhältnis von 3,5. Ein Schnäppchen ist das Papier nach Meinung von Analysten trotzdem nicht: Die Zahl der Verkaufsempfehlungen der Analysten ist immer noch doppelt so hoch wie die Zahl der Kaufempfehlungen: 17 Analysten bewerten die Aktie zur Zeit mit "Verkaufen", acht mit "Kaufen" und 25 stufen sie mit "Halten" ein.

Der Kursverfall an der Börse ist ein Spiegelbild des anhaltenden Misserfolgs: RIM verliert im hart umkämpften Smartphone-Markt zunehmend an Boden - gegen Apples iPhone und die diversen internetfähigen Handys mit dem Android-Betriebssystem von Google. Zuletzt musste das Unternehmen in einem boomenden Markt erstmals rückläufige Verkaufszahlen hinnehmen.

Im zweiten Quartal lieferten die Kanadier 10,6 Millionen Blackberrys aus - und verfehlten damit die Erwartungen der Analysten deutlich, die RIM einen Absatz von zwölf Millionen Smartphones zugetraut hatten. Apple verkaufte im gleichen Zeitraum mit 20 Millionen iPhones fast doppelt so viele Geräte. Nach Schätzungen des IT-Dienstleisters IDC hielt RIM im zweiten Quartal noch einen Anteil von elf Prozent am weltweiten Smartphone-Markt.

Der Niedergang von RIM schlägt sich auch in den Geschäftszahlen nieder. Im zweiten Quartal, das im August endete, schrumpfte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Der Reingewinn brach um 47 Prozent auf 419 Millionen Dollar ein. "Für das RIM-Management ist das ein weiterer Sargnagel", sagt Branchenexperte Edward Snyder von Charter Equity Research. "Es hat noch nicht einmal seine bereits heruntergeschraubten Ziele erreicht."
Auch an der Börse zeigen sich die Probleme des Unternehmens: Nach einem Höchststand von 33,54 Dollar im ersten Quartal 2011 ging der Aktienkurs stetig nach unten und erreichte Ende September mit 19,29 Dollar den bisherigen Tiefstand des Jahres. Das niedrige KGV, das der Theorie nach als Indiz für eine günstige Aktie gilt, zeigt zurzeit eher an, dass die Märkte die Gewinnerwartungen extrem skeptisch beurteilen.

Zu den Schwächen des Unternehmens zählt auch, dass es kaum Extra-Programme (Apps) für das Blackberry bereit stellt. Auch der Internetbrowser ist vergleichsweise langsam. Damit büßt das Smartphone vor allem bei jungen Käufern an Beliebtheit ein. RIM hat hier noch großen Nachholbedarf: "Es ist offensichtlich, dass die Blackberry-Plattform sich im Niedergang befindet", sagt Analyst Tavis McCourt von Morgan Keegan. Mit dem neuen Betriebssystem QNX will RIM die Wende schaffen. Das Problem: QNX kommt erst Anfang 2012.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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