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Roche etwas schwächer - Gilead kündigt Lizenzvertrag

Der Kurs des Schweizer Pharmakonzerns Roche hat am Freitag nachgeben. Zuvor hatte die Gilead Sciences den 1996 mit Roche abgeschlossenen Lizenzvertrag für das gemeinsam entwickelte Grippemedikament Tamiflu aufgekündigt.

dpa-afx ZÜRICH. Der Kurs des Schweizer Pharmakonzerns Roche hat am Freitag nachgeben. Zuvor hatte die Gilead Sciences den 1996 mit Roche abgeschlossenen Lizenzvertrag für das gemeinsam entwickelte Grippemedikament Tamiflu aufgekündigt. Gilead wirft Roche materielle Verletzungen der genannten Vereinbarung vor. Sollte der Vertrag aufgehoben werden, fallen die von Roche gehaltenen Rechte an Tamiflu an Gilead zurück, wie der amerikanische Konzern am Mittwochabend mitteilte.

Bis um 11.05 Uhr gaben die Roche-Papiere 0,69 Prozent auf 158,10 Franken. Zugleich fiel der Swiss-Market-Index (SMI) um 0,74 Prozent auf 6 226,96 Punkte.

Analysten beurteilen die Nachricht als leicht negativ für Roche. Hernani L. de Faria von der Zürcher Kantonalbank rechnet damit, dass der Konzern die Angelegenheit ohne bedeutenden materiellen Gewinnverlust, also weniger einem Prozent, lösen kann. Es sei allerdings denkbar, dass langwierige Verhandlungen oder ein Schlichtungsverfahren erforderlich seien.

De Faria rechnet mit einem Anstieg im Tamiflu-Umsatz auf über eine Mrd. Franken in den nächsten Jahren. Zwar sei verständlich, dass Gilead sich stärker am Erfolg des Medikaments beteiligen wolle, allerdings könne Gilead kaum in vernünftigem Zeitrahmen den Produktions- und Verkaufsapparat auf die Beine stellen, den Roche in den vergangenen Jahren für Tamiflu aufgebaut habe. Noch im Jahr 2004 ist laut dem ZKB-Analysten die Produktionskapazität verdoppelt worden.

Mit einem finanziellen Schaden von weniger als einem Prozent des Gewinns von Roche rechnen auch die Analysten von Lombard Odier Darier Hentsch (Lodh). Die Klagepunkte scheinen auf relativ schwachen Beinen zu stehen, hieß es im Lodh-Kommentar. Es sei nicht unüblich, dass Promotionsaktivitäten angesichts einer schwachen Wirtschaftslage zurückgenommen würden. Zudem habe Roche den Vermarktungsaufwand verringern können, seit das Risiko einer möglichen Avian-Grippe gegeben sei und vermehrt Regierungen als Käufer von großen Mengen des Medikaments auftreten.

Dadurch habe sich die Wirtschaftlichkeit von Tamiflu für den Schweizer Konzern verbessert. Ursprünglich sei davon ausgegangen worden, dass substanzielle Ressourcen für die Massenvermarktung des Produktes bereitgestellt werden müssten. Grundsätzlich ist es für die Lodh-Analysten verständlich, dass Gilead an dieser verbesserten Wirtschaftlichkeit teilhaben will. Sie glauben, dass die beiden Unternehmen den Zwist ohne Umschweife beilegen werden, auch wenn eine endgültige Lösung erst in einigen Monaten vorliegen könnte.

Eine Zürcher Privatbank hält es für das wahrscheinlichste Szenario, dass Roche Gilead Zugeständnisse bei der Beteiligung an der Vermarktung von Tamiflu machen wird. Allerdings sei der Ausgang des Disputs schwierig vorherzusagen. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten werde sich das Sentiment der Investoren gegenüber dem Titel auf kurze Sicht verschlechtern.

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