Rocket Internet

Aufstieg in den SDax

Bis zum Börsen-Olymp ist es zwar noch ein weiter Weg. Doch die erste Hürde auf dem Weg nach ganz oben hat die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet genommen – wenn auch nicht ganz allein aus eigener Kraft.
Update: 12.10.2016 - 10:45 Uhr
Der Aktienkurs hat sich seit dem Börsenstart mehr als halbiert. Quelle: Reuters
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Der Aktienkurs hat sich seit dem Börsenstart mehr als halbiert.

(Foto: Reuters)

BerlinDie Beteiligungsfirma Rocket Internet rückt zwei Jahre nach ihrem Börsengang in den Kleinwerteindex SDax auf. Von Freitag an wird die Aktie des Berliner Startup-Investors zum ersten Mal in einem der großen deutschen Börsenindizes geführt, wie die Deutsche Börse in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Das Unternehmen war erst Ende September in den streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse aufgerückt, der Voraussetzung für eine Index-Mitgliedschaft ist. Gemessen am Börsenwert von 3,3 Milliarden Euro wäre Rocket Internet auch groß genug für den MDax, der Streubesitz liegt allerdings nur bei knapp 23 Prozent.

Eigentlich wären die Börsenindizes erst im Dezember wieder auf ihre Zusammensetzung überprüft würden. Rocket profitierte aber von der Übernahme des Solar- und Windanlagenbetreibers Chorus Clean Energy durch den Konkurrenten Capital Stage. Damit sank der Streubesitz von Chorus auf 5,7 Prozent - zehn Prozent sind die Mindestquote für eine Index-Mitgliedschaft. Unternehmen im Prime Standard müssen einmal im Quartal nach internationalen Bilanzstandards (IFRS) über ihren Geschäftsverlauf informieren, die Regeln dafür waren aber Anfang des Jahres gelockert worden.

Was wird die nächste Rakete von Rocket Internet?
Hello Fresh
1 von 10

Rezepte aussuchen, passende Lebensmittel in der richtigen Menge liefern lassen und anschließend Kochen – so bequem soll die Zubereitung sein. Zumindest wenn man der Beschreibung von Hello Fresh glauben darf. Gerade Kunden in den USA und Großbritannien haben den Service für sich entdeckt. Das Ergebnis: Mit einem Umsatzwachstum von 159 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört Hello Fresh zu den wirklich schnellen Raketen im Rocket-Reich. Allerdings stieg auch der Verlust – von minus 21 auf minus 45 Millionen Euro, was Rocket Internet mit dem hohen Wachstum und dem Einstieg in neue Märkte begründet.

Foodpanda
2 von 10

m Foodpanda ist eine Essenslieferplattform für die Entwicklungs- und Schwellenländer, aktiv vor allem in den Balkanländern und in Südostasien. In Ländern wie Bangladesch und Kasachstan hat Rocket Internet eine echte Vorreiterrolle inne – allerdings sind hier auch die Warenkörbe kleiner als im reichen Westen. Foodpanda kassiert aber lediglich eine kleine Provision von den Restaurants, die das bestellte Essen an die Kunden ausliefern. Die Rocket-Beteilung steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent auf 22 Millionen Euro.

Namshi
3 von 10

Namshi ist der erste einer Reihe seltsam klingender Unternehmensnamen, die alle eines gemeinsam haben: Sie kopieren die Idee von Zalando, Mode im Internet zu verkauf. Dabei operieren sie aber vor allem in Schwellenländern. Rocket Internet fasst sie als „Global Fashion Group” zusammen. Namshi ist im Nahen Osten aktiv und zur Zeit das High-Light der ganzen Gruppe: Als einziges Start-up aus dem Kosmos der großen Rocket-Beteiligungen konnte Namshi in den ersten sechs Monaten des Jahres ein positives Ergebnis (Ebitda) von immerhin 1,6 Millionen Euro auf sich verbuchen – bei einem respektablen Umsatzwachstum von knapp über 50 Prozent zum Vorjahr. Namshi könnte eine der drei Beteiligungen werden, die Rocket-Chef Oliver Samwer bis Ende 2017 profitabel haben möchte.

Dafiti
4 von 10

Dafiti ist ein Modehändler in Lateinamerika nach dem Vorbild von Zalando, angesiedelt in Brasilien. Das Unternehmen gehört zur Global Fashion Group, in der Rocket Internet seine Zalando-Klone bündelt. Der Umsatz von Dafiti stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 22 Prozent auf 136 Millionen Euro. Laut Finanzchef Peter Kimpel wäre das Wachstum noch beeindruckender, könnte man es in der brasilianischen Landeswährung darstellen. Rocket Internet ist aber an der deutschen Börse notiert. Und die interessiert sich auch für die Verluste: Die betrugen bei Dafiti noch minus 13 Millionen Euro – eine deutliche Verbesserung immerhin zu den minus 41 Millionen im ersten Halbjahr 2015.

Zalora
5 von 10

Die Australier sind digitalen Geschäftsideen traditionell ziemlich aufgeschlossen. So ist es kein Wunder, dass der Modehändler Zalora, der den südostasiatischen Markt bedient, zu dem aber auch der australische Zalando-Klon „The Iconic” gehört, immer noch beeindruckende Wachstumsraten aufweist. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 126 Millionen Euro. Die Kosten muss der Laden aber noch in den Griff bekommen. Der Verlust ist zwar nicht mehr ganz so hoch wie noch vor einem Jahr; mit einem Minus von 32 Millionen Euro steckt Zalora aber immer noch tief in den roten Zahlen. Rocket Internet braucht eine neue Rakete, um Fehlstarts wie diese auszugleichen.

Lamoda
6 von 10

Online-Shopping in Russland funktioniert etwas anders als in Deutschland – nicht nur, weil die Staatspost zwischen Sibirien und dem schwarzen Meer nicht gerade schnell ist. Lamoda, das russische Zalando, beschäftigt eigene Kurierfahrer, die zum Teil vor dem Haus warten, bis die Kundin die Klamotten anprobiert und aussortiert hat. Manchmal nehmen die Fahrer auch Bargeld entgegen, weil die Russen nicht gerne online zahlen. Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass Lamoda seine Kosten senken und den Verlust in den vergangenen zwölf Monaten von 17 auf minus sieben Millionen Euro verringern konnte. Der Umsatz stieg immerhin noch um 15 Prozent auf 125 Millionen Euro.

Jumia
7 von 10

Afrika ist für die meisten deutschen Unternehmen noch immer ein Kontinent, in dem man Hilfsprojekte gründet, aber keine Geschäfte macht. Nicht für Rocket Internet. Unter dem Namen Jumia verkaufen die Berliner von Lagos in Nigeria aus Mode und Elektroartikel über das Internet und Smartphone. Das läuft nicht immer glatt – im vergangenen Jahr musste Jumia auf einen Schlag ein Drittel seiner Angestellten entlassen. Jetzt wird umgestellt, vom reinen Online-Handel zu einem Marktplatzmodell, bei dem die Plattform lediglich an der Provision verdient. Entsprechend fielen die Umsätze des ersten Halbjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56 Prozent.

Der SDax-Aufstieg gab der Rocket-Internet-Aktie aber keinen Schub. Sie pendelte am Mittwoch um ihren Vortages-Schlusskurs von 19,80 Euro. Allein seit Anfang des Jahres hat sie 30 Prozent verloren, weil die Investoren daran zweifeln, dass sich viele Startup-Beteiligungen von Rocket Internet zu hohen Bewertungen losschlagen lassen. Rocket Internet war am 2. Oktober 2014 an die Börse gegangen – mit durchwachsenem Erfolg. Auf einen kurzen Aufschwung folgte der lange Abschwung. Im Lauf von zwei Jahren hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert, die Titel notieren aktuell bei knapp 20 Euro. Zum Börsenstart waren es 42,50 Euro.

  • rtr
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