Rohstoff unter der Lupe
Hohe Nachfrage verteuert Erdgas

Die Nachfrage nach Erdgas boomt. Bei tendenziell knappem Angebot dürfte der Preis dieses Energieträgers weiter deutlich steigen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben die Erdgas-Notierungen um rund ein Drittel zugelegt.

In den Unternehmensplanungen der Energie-Multis BP und Royal Dutch/Shell gilt es als ausgemacht, dass Erdgas die bisherige Nummer eins, Erdöl, in den kommenden 15 bis 20 Jahren als wichtigster Energieträger ablöst. Die globalen wie nationalen Prognosen stimmen darin überein, dass Erdgas die Wachstumsenergie schlechthin darstellt. Eon-Energie-Chef Johannes Teyssen schätzt den weltweiten Verbrauchsanstieg in den nächsten 25 Jahren auf immerhin 200 Prozent.

Erdgas kommt auf zwei Wegen vom Erzeuger zum Abnehmer: durch ein Pipeline-Netz oder als Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG) in Tanks. Bisher existiert noch kein einheitlicher Weltmarkt für Erdgas. Der Rohstoff wird regional gehandelt. Je größer der Handel mit Flüssiggas aber wird, desto mehr wachsen die Teilmärkte Nordamerika, Europa und Pazifik zusammen.

Und der internationale Handel mit dem Energieträger wird nach Branchenangaben überdurchschnittlich zunehmen; denn die nationalen Quellen in den wichtigen Industrieländern wie USA, Großbritannien, den Niederlanden oder gleichfalls in Deutschland verlieren immer mehr an Bedeutung. Der globale Nachfragewettbewerb wird also härter. Hauptlieferanten sind Russland, Norwegen, Iran, die kaspischen Region und der Nahe Osten. Zu diesem Resümee kommen Hochrechnungen der Internationalen Energieagentur in Paris sowie der EU-Kommission in Brüssel.

Erdgas ist vielseitig einsetzbar, wie Karlheinz Bozem von Booz Allen Hamilton in München erläutert. Erdgas wird zum Heizen eingesetzt, dient als Treibstoff für Fahrzeuge und findet zunehmend in der Stromerzeugung Verwendung. Bozem ergänzt, Erdgas sei ohne Subventionen wirtschaftlich zu nutzen und zudem kohlendioxidarm.

Ähnlich argumentiert Professor Walter Schulz vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln. Er geht aber davon aus, dass sich langfristig die Wettbewerbsposition des Erdgases vor allem gegenüber der Steinkohle in der Verstromung verbessern wird. Dies basiere insbesondere darauf, dass für den Kohleeinsatz in größerem Umfang teure Kohlendioxid-Emissionszertifikate gekauft werden müssten. Bei den reinen Energiepreisen erwartet Schulz für Erdöl und Erdgas allerdings wesentlich kräftigere reale Verteuerungen als für Kohle.In der Branche heißt es, wenn der Erdölpreis in den nächsten zwei Jahren die 100-Dollar-Marke erklimmen sollte – derzeit notiert der Rohstoff unter 60 Dollar je Barrel (159 Liter), könnte sich der Einkaufspreis für Erdgas in Deutschland gegenüber heute verdoppeln.

Der Bonner Energieanalyst Gerd Lengsdorf stellt heraus, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit von LNG deutlich verbessert hat. Heute müsse für LNG nach Transport und Aufbereitung im Zielland nur noch das 1,3-fache von herkömmlichen Pipeline-Gas gezahlt werden. Kräftige Zuwächse seien möglich. Der LNG-Anteil am internationalen Erdgashandel mache schon heute mehr als ein Fünftel aus.

Noch besitzt etwa Deutschland aufgrund seiner geographischen Nähe zu Russland und Norwegen große strategische Vorteile im Bezug von Pipeline-Gas. Doch kommt dem Handel mit verflüssigtem Erdgas aus entfernteren Regionen wachsende Bedeutung zu. Die USA, Japan schon lange, Großbritannien und Frankreich richten sich zunehmend auf LNG-Bezüge aus. In Deutschland fehlt bisher ein LNG-Terminal. Entscheidend wird sein, wie stark das Erdgas in der Stromerzeugung Deutschlands zulegen kann. Und hier besteht großer Optimismus. In einer im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln und von Prognos erstellten Hochrechnung bis zum Jahr 2030 stellen die Gutachter fest, dass Erdgas seinen Anteil an der deutschen Stromproduktion in den nächsten 25 Jahren verdreifachen könnte. Damit wachse automatisch auch der Bedarf an LNG-Lieferungen, heißt es in der Gasbranche.

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