Rohstoff unter der Lupe
Kaffeefarmer rechnen mit Preisanstieg

Die weltweit steigende Nachfrage nach Kaffee sollte die Branche eigentlich glücklich machen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Händler befürchten wegen gesunkener Anbauflächen Lieferengpässe.

SALVADOR. Kaum hat sich die Kaffeebranche von der schweren Krise der letzten fünf Jahre erholt, da ziehen neue Wolken auf: Alles deutet darauf hin, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren weitaus schneller ansteigen könnte als noch vor kurzem erwartet. Die Produzenten sind auf diesen Konsumschub jedoch schlecht vorbereitet. Bei der zweiten Weltkaffeekonferenz in Salvador (Brasilien) dominierten die Sorgen der Händler, dass bald zu wenig Kaffee auf dem Weltmarkt angeboten wird.

Von einem jetzigen Konsum von 118 Mill. Sack erwartet etwa David Neumann von der Neumann Kaffee Gruppe, führender deutscher Kaffeehändler, dass die Nachfrage in fünf Jahren auf 135 Mill. Sack steigen wird. Vor allem der kräftig wachsende Kaffee-Konsum in Osteuropa, Russland und Asien könnte die Nachfrage erhöhen. „Ein erwarteter Konsum von 150 Mill. Sack in zehn Jahren könnte sich dann als eine zu konservative Prognose heraus stellen“, so Neumann. In den ehemaligen Ostblockstaaten wird massiv in die Verarbeitung und den Markt für Kaffee investiert. Es seien alles Länder mit traditionellen Kaffeekulturen, die jetzt mit der Marktöffnung wiederbelebt würden. In China dagegen werde vor allem der Urbanisierungsprozess den Kaffeekonsum anregen. „Die städtische Bevölkerung dort entspricht bald der Einwohnerzahl Europas“, weiß Neumann.

Auch bemühen sich einige Produzentenländer den eigenen Kaffeekonsum zu steigern, um unabhängiger vom Weltmarkt zu werden. So will etwa Kolumbien, die Nummer drei weltweit, als Kaffeeproduzent seinen Binnenkonsum ausweiten von derzeit 1,2 auf 4 Mill. Sack in zehn Jahren. Vorbild ist Brasilien, das 40 Prozent des Kaffees weltweit produziert, aber gleichzeitig mit einem Konsum 16 Mill. Sack auch der zweitgrößte Kaffeekonsument auf dem Globus ist. Das liegt einerseits am steigenden Einkommen und zum anderen an der Strategie der Röster, den Kunden bessere Qualität anzubieten. In fünf Jahren wird Brasilien vermutlich die USA als größten Kaffeekonsumenten überholen, schätzt der brasilianische Landwirtschaftsminister Roberto Rodrigues. „Der Trend ist eindeutig“, sagt Neuman, „Kaffee produzierende Länder werden zu Konsumenten.“

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