Rohstoffe
Goldene Jahre für Ölkonzerne

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wird womöglich als die goldene Dekade der Ölindustrie in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Nie waren die Gewinne der Ölkonzerne höher, nie die Ausschüttungen an die Aktionäre üppiger. Allein die fünf größten Ölmultis werden im laufenden Jahr zusammen mehr als 100 Mrd. Dollar verdienen, schätzen Analysten. Doch während das Geld sprudelt, wird es immer schwerer, neue Ölquellen zu erschließen.

HB LONDON. Gleichzeitig steigt der politische Druck: Regierungen verhängen Sondersteuern und diskutieren neue Umweltauflagen. Doch kurzfristig sehen die meisten Analysten Ölaktien optimistisch. Im Rampenlicht der Börse stehen die Ölmultis, die heute zu den wertvollsten Unternehmen gehören. Weltmarktführer Exxon Mobil liegt mit 370 Mrd. Dollar Börsenwert knapp hinter General Electric (GE) und weit vor Microsoft, BP mit 240 Mrd. Dollar nahe an der weltgrößten Bank Citigroup. Doch trotz der Fusionswelle der späten Neunzigerjahre, die die Konzerne größer denn je machte, ist ihre relative Bedeutung auf dem Ölmarkt in den vergangenen Jahrzehnten gesunken. Einst kamen die globalen Spieler auf dem Ölmarkt für zwei Drittel der Investitionen in die Öl- und Gasförderung auf, heute sind es nur noch rund 40 Prozent.

Ein wesentlicher Grund dafür: Rund 80 Prozent der Öl- und Gasreserven der Welt sind heute unter staatlicher Kontrolle, etwa in den Staaten am Persischen Golf und in Russland. Da die Ölmultis dort entweder gar nicht oder nicht zu für sie wirtschaftlich akzeptablen Konditionen zum Zuge kommen, müssen sie in immer unwegsameren Gegenden nach Vorkommen suchen – im Dauerfrost oder in der Tiefsee. Darum fällt es ihnen zunehmend schwerer, so viel Öl neu zu finden wie sie fördern. Konzerne wie Shell und Chevron Texaco holen derzeit weit mehr aus dem Boden als sie neu finden. Das heißt, dass sie es langfristig schwer haben werden, ihre Produktion zu halten. Gleichzeitig steigen die Explorationskosten rasant, bei Shell waren sie zum Beispiel zuletzt 21 Prozent höher als im Vorjahr.

Doch davon ist in den Bilanzen noch wenig zu sehen. Nicht einmal verheerende Wirbelstürme im Golf von Mexiko, die Plattformen aus den Verankerungen reißen und Raffinerien lahm legen, bringen die Ölmultis von ihrem Rekordkurs ab. Der Energiehunger der Welt ist dank des Aufstiegs von China und Indien so groß, dass Produktionsausfälle sofort die Preise nach oben schießen lassen. Die Wirbelstürme im Golf von Mexiko trieben die Raffineriemargen auf Rekordhöhen. So verdienten die Ölkonzerne im „Downstream“, also in Verarbeitung und Verkauf, mehr als sie im „Upstream“, also bei der Förderung, einbüßten.

Diese Entwicklung veranlasst Analysten, die Unternehmen stärker nach ihrem Raffineriegeschäft zu beurteilen. Jahrzehntelang haben Ölgesellschaften in Europa und Amerika kaum noch in Raffinerien investiert, weil die Margen notorisch niedrig waren, doch nun stehen sie auf Rekordniveau.

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